Sonntag, 25. Mai 2014

If you want it you can have it – Der FFM Blockparty BloG


Reisen veredelt den Geist und räumt mit unseren Vorurteilen auf. Ganz im Sinne von Oscar Wilde bereiste ich somit aus Gründen am 17.05.2014 die Stadt, die sich selbst als die kleinste Metropole Europas bezeichnet: Frankfurt. Und als ob sie es geahnt hätten, wurde die Stadt am Main just an diesem Tag ebenfalls von NKOTB besucht. Wenn das mal kein Schicksal war …

Nach wie vor bin ich immer noch die statistische Standard-Konzertbesucherin. Nur ein Konzert pro Tour, kein VIP, kein Covergirl, kein Hotelstalking und schon gar kein Gathering. Warum? Nun, das kam so – eine total crazy Geschichte übrigens: Eines Tages surfte ich ganz harmlos vor mich hin, bis ich mich völlig unvermittelt auf einer Verkaufsseite jener exklusiven Tickets wiederfand. Interessiert studierte ich das dort Angebotene. Plötzlich sprang eine hässliche kleine Kreatur aus meinem Monitor! Bekleidet mit den teuersten Designerfummeln und über und über mit Goldschmuck behangen. In den Händen hielt es ein mit Diamanten besetztes Laserschwert, das es forsch auf mich richtete. 

"Ich bin der Konsumterrorist und Du wirst nun alles tun, was ich von Dir verlange!", sprachs und fuchtelte drohend mit dem Schwert vor meinem Gesicht herum. Ich schluckte.

"Du kaufst jetzt sofort mindestens drei Covergirl VIP-Tix und zwei Gathering-Karten, los, mach schon!"

Sofort wollte ich tun, wie mir geheißen, da erwachte just die Kampfamazone in mir. Meine Augen verengten sich zu schmalen Schlitzen. Na warte, du Giftzwerg, dir geb' ich. Die Macht ist mit mir.

"N e i n." 

Erbost blickte mich die Kreatur an. 

"Du wagst es!"

"Ja."

"Du wirst in der Hölle schmoren!"

"Das nehme ich in Kauf."

Plötzlich wand sich das Wesen und brach unter großen Schmerzen zusammen, bis es schließlich gedemütigt zurück in den Monitor kroch. Ha! So sehen Sieger aus, schallalalalla! Du Opfer! Ich baute mir sogleich mit dem eingesparten Geld einen Triumphbogen. Es lebe der freie Wille! Jedem sein eigener allerdings und in jede Richtung ergebnisoffen. Wer will und kann, der macht, viele anderen schimpfen halt lieber bis es kracht.

Wie auch immer, ein First-Row-Parkett-Sitzplatzticket darf’s dann sogar für mich sein und somit kam ich entspannt erst um kurz nach 19.00 Uhr vor der Jahrhunderthalle an, weil, vom stundenlangen Anstehen und strammen 200-Meter-Spurt nach Hallenöffnung in den Stehplatzbereich konnte ja abgesehen werden. 

Unglaubliche Szenen spielten sich hier ab! Oder vielmehr - gar keine. Was war aus hysterischem Gekreische, aggressivem Bodychecking und einer ganzen Flotte von Rot Kreuzlern, die für die nach Sauerstoffringenden bereit standen, geworden?! Nichts. Stattdessen relaxte Menschen, die draußen vor der Location die warme Frankfurter Sonne genossen – und das, obwohl die Halle bereits geöffnet war.


Datum stimmt und so?


Doch das Wundern ging weiter. Paare (also Männlein und Weiblein), händchenhaltend im Freizeitlook, Familien (Mama, Papa, Kind), und noch mehr Paare, diesmal er im legeren Anzug, sie im Kostüm mit halsbrecherischen High Heels. Und sogar Männer, also mehrere auf einen Haufen, ohne Damenbegleitung. Dazwischen aber auch Herden von kollegialen Mitfäninen von damals und heute. Die einen aufgebrezelt, die anderen im sportlichen Mama-geht-heute-feiern-Outfit. Ist ja mit eines der schönsten Dinge beim Konzert: Beobachte die Menschen, die zum gleichen Event wie du gehen und lasse den unedlen Geist schweifen über deren Geschichte. Mischen is possible, wenn man das bunt gemixte Publikum so in Augenschein nahm.

Schatz, wir müssen reden! Respekt vor denjenigen männlichen Schätzen, die ihre Frauen zu einem NKOTB-Konzert begleiten. Mein Mann wäre die totale Fehlbesetzung für ein solches Tête-à-Tête. Entweder hätte er am Ende des Tages Genickstarre vom vielen ungläubigen Kopfschütteln oder müsste operativ von irgendeiner Tischplatte entfernt werden, in die er der schieren Verzweiflung wegen aufgrund der Überzeugung, seine Frau wäre dem Wahnsinn verfallen, gebissen hätte. Oder Diagnose Eifersuchtsüberdosis. Ein unkalkulierbares Risiko. Deswegen lasse ich ihn lieber gleich zuhause. Heute ist Emanzentag. Nothing for ungood, honey. Aber ein NKOTB-Gig ist nun mal der Marathon unter den Frauenversteherdingen. Das packst Du nicht.

An Intimate Evening with New Kids On The Block. Schwarzer Hintergrundvorhang, 5 einsame Mikros auf der Bühne, dezente Beleuchtung, eine unscheinbare Showtreppe, keine Ahnung wievielstufig. Keine Band, keine Leinwandübertragung – hätte auch ein Gig des Äppelwoier Harmonie-Bläser-Ensembles werden können. Worst Case Szenario. Und eine Halle, die im Sitzplatzbereich bei Weitem nicht gefüllt war. Der gesamte Prozess der Ticketkontingentvergabe ist mir zwar nach wie vor schleierhaft und ich verstehe den Unmut derer, die sich am Anfang des Ticketverkaufs mittelprächtige Balkonplätze gekauft haben. Aber der Veranstalter hat sehr gut daran getan, die Hochparkett-Sitzplätze Mitte April zusätzlich zu installieren, da offensichtlich zu wenig Stehplätze verkauft wurden. Eine halbleere Stehfläche wäre mehr als anti-intimate gewesen und hätte eine riesige Lücke in die Halle und damit auch die Stimmung gerissen. Und die Balkonsitzer durften ja dann auch offensichtlich auch in die freien Parkettplätze wechseln.

Kurz nach 20.00 Uhr dann aber die Erleichterung, als tatsächlich NKOTB auf die Bühne kamen. Und von Anfang an dermaßen Gas gaben, dass man zusehen musste, dass man zügig auf Betriebstemperatur kam, um emotional hinterherzukommen und dazu noch seinen Körper im Griff hatte, da dieser unweigerlich dabei sein wollte und in fast unkontrollierbare Schwingung geriet. Do the New Kids Dance, ‘cause they're still kicking ass! Wahrhaftig.

Zwei Stunden Move your body-Bootcamp folgten. Denn ohne nennenswerte Pause wurde von nun an ein Song nach dem anderen rausgeballert. Natürlich sämtliche eigene Hits, aber auch einige Cover-Versionen durften dabei sein. Und ob das nun von der vermeintlichen Konkurrenz wie BSB oder Take That war – wen kümmert’s, so lange es gute Lieder mit Mitsingpotenzial sind. Besser, man bringt den einen oder anderen „fremden“ Song, den jeder kennt und die Stimmung oben hält, als dass man zwanghaft alle eigenen Kompositionen auf die Bretter schmettert. Und etwas Abwechslung zu den Setlists der letzten Touren kann nie schaden. Zum siebzehnten Mal dieselben ollen Kamellen muss ja auch nicht. Das Showkonzept hat sich zu früher schließlich nicht wirklich geändert. I liked the Remix!

First bad brother from the beantown land aka Ddub Wahlberg hat es mal wieder geschafft. Rockte jeden Quadratzentimeter der Bühne, verteilte ohne Ende Liebe an sämtliche Damen in Reichweite und lies trotz seiner ungebrochenen Leidenschaft, alles zu geben, noch genug Platz für die anderen vier Herren. Primus inter Pares. Wow … das mit dem Geist scheint zu funktionieren. Er scheint es zwar in jeder Location zu machen, aber man kann es ja ruhig mal als tolle Aktion betiteln: Beim Part auf der B-Stage einfach mal zu den Balkonplätzen hochjagen und dort noch mehr Liebe spreaden. Das nennt man dann wohl wirklich nahbar und ohne Berührungsängste. 

Wobei ich als Teilzeit-Spielverderberin ja doch mal wieder feststellen muss, dass ich das Abklatschen der Jungs, wenn diese dies selbst starten, völlig in Ordnung finde. Aber Betatschen, nur wegen des Betatschens-willens finde ich schon wieder grenzwertig. Gut, sie sind es gewohnt, aber deshalb müssen sie es ja nicht zwangsläufig gut finden – auch wenn sie sich ganz bewusst mitten in die Menge begeben auf der kleinen Bühne, die keinerlei Sicherheitsabstand mehr gewährt. Eine Dame neben mir tätschelte Donnie mütterlicher den Rücken, nicht ohne ihm zu erzählen, sie würde ihn ganz furchtbar lieben. Er hat sie – aufgrund der anderen 39 ihn anhimmelnden Ladies um ihn herum - nicht einmal bemerkt. Aber immerhin hat sie ihn mal berührt. A Story für die Enkel is born.

Jordan Knight, unser musikalisches Competence Center, immer auf den Punkt, saubere Gesangs- und Tanzeinlagen. Er weiß seinen Charme perfekt einzusetzen, nie zu viel des Guten, immer in erträglichen Dosen, manchmal sogar richtig schüchtern. Aber immer Profi. Mag ich. Er verlässt sich nicht darauf, dass die Damenwelt ihn nur seiner selbst Willen anhimmelt, sondern er bringt auch seine Leistung. Und über seine Geburtstagsaktion hat er gefreut. Natürlich hat er irgendetwas erwartet, schließlich ist das mit Sicherheit nicht der erste Band-Geburtstag, der auf einen Konzerttag fällt. Danke an die Dame/n, die die Schilder organisiert haben. 

Stop! For a minute, can you feel the magic. Ab sofort mein neuer persönlicher Step 5. Jon Knight ist mein Held. Er wird in diesem Leben kein Rockstar mehr. Und trotzdem hat er total gerockt. Weil er mit seiner zurückhaltenden Art und seinem Lächeln so viele Menschen ebenfalls zum Lächeln gebracht hat. Er muss dafür gar nicht viel tun. Er ist inzwischen optisch etwas, nun ja, nennen wir es „gemütlicher“ geworden. Keine Kritik, nur eine Feststellung. Steht ihm. Aber trotz seiner positiven, ruhigen Ausstrahlung ertappe ich mich manchmal bei dem Gefühl, dass er in diesem Moment auch ganz gerne mit seinem Beloved auf der Couch rumgammelt würde (wobei er mir dieses Mal entspannter vorkam, als noch bei der NKOTBSB-Tour). Wer tut das schon nicht gerne. Aber Job ist halt nun mal Job. Und ich verneige mich unbekannterweise in Demut vor dem- oder denjenigen, dem/denen es offensichtlich immer wieder gelingt, Jon davon zu überzeugen, dass er auf die Bühne gehört. Danke. Ich hoffe, in Mr. Knights Sinne. 

Danny war auch da. Was sonst. Danny ist immer einfach … da. Er ist genau da, wo er hingehört, er tut das, was er schon immer getan hat. Da und okay. Hauptsächlich zuständig für die Background-Vocals, ab und zu setzt er kleine Highlights, ist stets präsent, aber selten im Fokus. Er scheint irgendwie immer in sich zu ruhen, solange er sein Workout jeden Tag absolviert und stolz verkündet hat, scheint ihn nichts aus der Fassung bringen zu können. Wobei ich, erst Tage später, auf einem meiner Bilder von der B-Stage festgestellt habe (eigentlich hatte ich Joe abgeschossen, Mr. Wood war nur im Hintergrund zu erkennen), dass dieser doch tatsächlich Bier – offensichtlich von einem Fan zugereicht – getrunken hat! Puh, das wurde dann am nächsten Tag aber hoffentlich wieder mit Literweise Sauerstoffwasser und einem Kalorien- und Kohlenhydratfreien Fastentag samt Triathlon gebüßt. Wir wollen doch nicht nachlässig werden, oder? Sonst geht dieser fettfreie, sehnige, muskelige, gestählte körperkulturgeformte Body noch aus dem Leim!

Kommen wir zum irren Iren. Joe. Er… Also, wie …  Manchmal… Wenn man bedenkt … Himmelherrgott, lass Worte fließen. Bei Joe fließt schließlich auch ganz viel. Mr. McIntyre ist ein wandelndes energetisches Kraftwerkwunder. Es pumpt und es pumpt und es fließt und es fließt und er zappelt und er zappelt … bis er schlussendlich zuerst implodiert und dann explodiert – und dann ist immer noch nicht Feierabend. Hätte er je längerfristig eine normale Schulklasse besucht, wäre er die Idealbesetzung des Klassenclowns gewesen. Leider kam ihm eine Boyband dazwischen, deswegen beglückt er seit jeher uns mit seiner Vitalität. Er sing, er swing, er tanzt, er schauspielert, er entertaint, geht mitunter bis zur Schmerzgrenze des Erträglichen – und er stellt jede Sekunde sicher, dass dies auch ja jede/r mitbekommt. Er beherrscht jede Faser seines Körpers, er SPRICHT mit ihm, jede Bewegung wird zelebriert und bis Ultimo ausgereizt. Stellt sich dieser Kerl doch tatsächlich hin wie ein bockiges kleines Kind und fordert mit jedem einzelnen seiner Körperteile... mehr! Und noch einmal mit der Hüfte lasziv gezuckt, entrüsteter Blick in die Menge von wegen "da geht doch bitte noch was, oder?!", um dann auf dem Gipfel der Ekstase unkeusch dem Bühnenshowdown zu erliegen. #RomeoohRomeo! 

Wie komme ich denn jetzt bitte wieder zurück zu meinem völlig neutral gehaltenem Konzertbericht? Überleitungsversagen. Irgendwas ist immer.

Okay, an dieser Stelle ist es dann wohl an der Zeit, die sechste, nicht unwesentliche Komponente der Show erwähnen. Es gab zwar keine Band und es gab auch keine Kameras mit Leinwandübertragung, aber es gab – LICHT! Trotz dem ganzen Intim-Dings und so muss man den Lichtkomponisten mal ein Kompliment aussprechen. Die Belichtung war wirklich klasse, viele schöne Effekte wurden uns hier mit relativ wenig Aufwand präsentiert. Moment … eigentlich wollte ich jetzt gar nichts über das Licht sagen, sondern …. was war das doch gleich … Ah ja! 

Papierschnipsel. Oh, wie schön! Ganz viele bunte Papierschnipsel segelten vom Hallenhimmel! 

Hey, noch viel mehr lustige Papierschnipsel! Kaum zwei Songs später.

Wow … das sind ja auch Luftschlangen! 

Und da … wieder eine Ladung Papierschnipsel! Gelbe! Und Rote! 

Jetzt schwimmt sogar einer in meinem Wasserbecher. Nein, wollte ich eh nicht mehr trinken, war nur blödes Wasser. Go for Dehydrierung. 

Der Weltmarkt an Papierschnipsel in jeglicher Form und Farbe muss völlig leergekauft sein. Oder es gab eine Überproduktion und man bekam noch Geld, wenn man eine gaaaanz große Menge davon abnahm. Das ist jetzt aber echt nur eine krude Theorie. Ihr kennt das.

Und sonst? Nun, zwei Stunden professionelles Entertainment. NKOTB sind nach wie vor keine wirklichen Musiker, aber sie öffnen uns die Tür zu etwas, was wir – immer wieder – sehen und fühlen wollen. Hindurchgehen muss aber jeder selbst. Sie beherrschen die Kunst, genau die Kontaktstellen in unserem Nervensystem zu aktivieren, die uns für zwei Stunden aus dem Alltag reissen, die mit Emotionen verknüpften Erinnerungen an früher aktivieren. Zumindest bei denjenigen unter uns, die es bedingungslos zulassen. Ohne über den Sinn nachzudenken. Wenn Du das tust, hast Du schon verloren. Weil, einen Sinn ergibt es einfach nicht. Es IST einfach so. Loslassen oder doof finden. Ich war zwei Stunden in dieser Welt. Sie existiert nicht wirklich, aber man kann sie für eine kurze Weile zum Leben erwecken. 

Bis einen das Anzünden des normalen Hallenlichts nur 5 Sekunden nach dem letzten Ton von „Hangin‘ tough“ wieder schmerzhaft in diese Welt katapultierte. Ich nehme hiermit das Lob an die Lichtmenschen wieder zurück (buh!) und beantrage für die Zukunft sanfte Dimmer, die einen in einem sanften Flow wieder ins schäbige Real Life zurückbringen. 

Ja, ich weiß, keine Illusion an dieser Stelle, wir haben eine Dienstleistung bestellt und bekommen. Hier war nur ganz wenig spontan, 93 % der Show war ausprobiert, fixiert und installiert. Sie wissen genau, was sie tun müssen, um uns zu animieren und mitzunehmen. Jedes Shirt-Lüften ist hier Programm, jede Kabbelei untereinander Teil des Konzepts. 

Ja, und? Dann waren wir halt zwei Stunden auf einem künstlichen Trip. Wir haben ja schließlich dafür bezahlt. Guter Stoff. Und jetzt versuch mal, mit einer gerade noch Zugedröhnten darüber zu diskutieren, ob wir immer noch genauso einfach wie berechnend zu beglücken sind wie früher. Ja. Türe auf, durchgetanzt, in einer Bubble ohne Sinn und Verstand gelebt, rausgeschubst und jetzt wieder alles normal. 

Nicht ohne für einen kurzen Moment die Rowdies (nennt man die heutzutage überhaupt noch so? Klingt so wild-romantisch) zu bemitleiden, die mit leuchtend roten Helmen die Bühne abbauen mussten (mein Bild des lonely, handsome Cowboys on the road war so was von zerstört). Das war dann so ungefähr 10 Sekunden nach "Hangin' tough".

Ich hatte, wie erwähnt, keinerlei persönlichen Kontakt zu NKOTB. Dies sind ausschließlich meine Eindrücke und Gefühle während des Konzerts. Man liest hier und da persönliche Anekdoten. Habe Donnie getroffen, Selfie gemacht, sterbe vor Glück. Habe vor dem Hotel gewartet, Bodyguard war fies zu mir und Danny voll der Arroganzbolzen. Joe hatte ein Bad-Hair-Day, hat sich aber trotzdem mit mir fotografieren lassen, wie süß war das denn von ihm. Ezetterapepe. Namen völlig willkürlich, jede Kombination war dabei. 

Auch wenn NKOTB seit 25 Jahren Teil meines Lebens sind – mal mehr, mal weniger – ich will mir meine persönliche „Beziehung“ zu ihnen nicht zerstören, indem ich vielleicht tatsächlich gerade mal einen blöden Moment in deren Leben erwische, wenn ich denn einmal vor ihnen stehen sollte. Ich will einfach nur dieses geile Gefühl für zwei Stunden haben. Wer ihnen unbedingt näher kommen will, der muss dann eben Freundschaft schließen mit Konsumterrorist oder das Risiko eingehen, dass man sie auf dem falschen Fuß erwischt. NKOTB sind nicht unsere Freunde, die aus purer Liebe zu uns kommen und Konzerte geben. Wie gesagt, wer nachdenkt, hat verloren. Also, Verstand aus und genießen oder zuhause bleiben und Facebook volljammern, wie schäbig doch alles ist, wenn man denn alles mal realistisch betrachtet. Ist der Verbraucherschutz für ausgenutzte Kleinmädchenträumereien eigentlich auch auf Facebook vertreten?

Als ich irgendwann an diesem Wochenende mit nun gepimptem Geist (aawwwas, warn die Cocktails), mit nicht mehr oder weniger Vorurteilen als vorher Hotelbettfertig machte, segelte ein knuffiger gelber Papierschnipsel aus meinem Oberteil. Oh nein! Bitte nicht auf den letzten Drücker ein Abrutschen ins Kitschige hier. 

Nee, aber … "'cause if he doesn't, Joe and Jordan and Danny and Jon and Donnie will be there." Gesagt ist gesagt Mr. Blue Eyes McIntyre - eines der gefühlten drei Millionen Smartphones, die man ständig vor der Nase hatte, hat das bestimmt dokumentiert. Wir melden uns! Kann jeden Moment soweit sein, also: Be prepared to come back - SOON!

Samstag, 1. Juni 2013

Blockhead goes Facebook

Prolog:

Da ich – freiwillig wie immer – leider nicht mitgecruised bin und bis dato noch nicht in den Genuss der Package-Tour gekommen bin, ist dieser Blog zwar nicht gespickt mit den Tages-aktuellste NKOTB-Highlights, aber statt dessen -  oder vielmehr gerade aus diesem Grund - gibt es etwas, worüber wir dringend reden müssen! Warnung: Mein BloG und ich, wir werden heute böse sein. Die Feder ist spitz wie Nachbar‘s Lumpi und die Tinte ist dickflüssig, tiefschwarz mit Nitroglyzerin verfeinert ... Welcome to the *naughty* BloG-Party!
Als NKOTB ihr Comeback ankündigten, fand ich das saugut. Als ich feststellte, dass diese Bewegung auch noch total modern im Internet anstatt in der BRAVO stattfand, fand ich das saustark. Als mir die Dimension bewusst wurde, dass man sich mit nur einem Fingerklick direkt und inmitten einer Community mit NKOTB-Mit-Bekloppten befand, fand ich das saugeil. Schon war man in den Foren, Chats und Twitter unterwegs, um dabei zu sein. Surfen, Schmachten, Lästern und Texten im Netz, immer schön unter dem Deckmäntelchen des Nicknames samt einem bunten Ava-Bild.
 
Ich war davor durchaus schon Miles & More online unterwegs, doch eines habe ich immer gemieden: Facebook. Nicht, weil es ständig in den Verruf bezüglich Datenschutz gerät. Nö. Auch nicht, weil man gerne mal von Massenaufläufen hörte, weil hier jemand eine private Veranstaltung dummerweise als öffentlich gepostet hat. Pff, solange die nicht bei mir vor der Türe stehen. Und auch nicht, weil man ständig von Leuten von der Seite angetextet wird à la „biste auch bei Facebook?“. Nein, es war ein rein, nennen wir es, natürlicher Reflex.
Doch die Zeiten sind schnell. Veränderungen kommen, bleiben kurz und gehen wieder. Das nächste Neue steht schon in den Startlöchern. Und doch, als eine der Letzten auf diesem Planeten war ich der Meinung, man könnte das deutsche NKOTB-Forum am Leben erhalten. Nicht, dass es je toll gewesen wäre. Bewahre, nein! Oder in irgendeiner Art wertschöpfend. Niemals. Oder gar von geeigneten Admins betreut. Kein Kommentar. Eigentlich hat es ganz oft genervt. Aber wie auch immer … irgendwie war es nach dem Dinosaurier aller Blockhead-Kommunikationstreffpunkte auf www.nkotb.com die Heimat der deutschen Fanbase. Zumindest für eine Weile. Keine Ahnung, warum ich immer wieder dahin zurückgekehrt bin. Müßig, nein, sogar ein bisschen peinlich, um ehrlich zu sein. Jedenfalls hat man mir dort in der jüngeren Vergangenheit mehrfach zu verstehen gegeben, dass ALLE User doch jetzt bei Facebook in der deutschen Gruppe unterwegs wären und hier nun der neue Nabel der Blockhead-Welt sei. Es gab tatsächlich User, die sich im Forum neu angemeldet haben, um mir dies mitzuteilen –> Speechlessness Part 1.
 
Na gut, gotme, die Neugier war dann eben doch stärker. Und ein neuer Account auf Facebook geboren. Auf das Schlimmste allen Übels des Ur-Bösen, aus mephistophelischer Quelle gespeist, gefasst, betrat ich, bewaffnet mit Mundschutz, Sturmlaterne und einem Virenabwehr-SWOT-Einsatzkommando eine Welt … von deren Existenz und Eigenheiten ich nie hatte wissen wollen.
F.A.C.E.B.O.O.K.
 
Die erste Zeit, also gefühlte 72 Stunden oder so, habe ich mit meinem neuen Account-Freund erst einmal damit verdaddelt, sämtliche Funktionen von "allen-Ärschen-dieser-Welt-zugänglich-öffentlich" auf "absolutely-private-nur ich" zu setzen. Nein, ich will der Welt nicht mitteilen, wo ich zur Schule gegangen bin, wo ich arbeite und schon gar nicht, wie mein Beziehungs-/Status derzeit ist. Gott sei Dank ist das System vom Grunde her erst einmal doof. Es fragt zwar täglich penetrant nach, ob ich denn nicht endlich mal meine Daten vervollständigen möchte, aber so einfach kriegst Du mich nicht. The real Martini Doro ist nämlich weder zur Schule gegangen, noch arbeitet sie und Beziehungen oder gar StaTusse hat sie schon gar nicht. Martini D. ist nämlich nur ein krampfhaft anonym gehaltenes Cyber-Ich, das wohl existent, doch nicht zu fassen ist. Nur nichts von sich preisgeben, lautet die Devise. To whom it may concern.
Aber woher soll Facebook das auch wissen. Nullen und Einser, was will man da auch erwarten.
 
Wie ... es IST Sinn und Zweck von Facebook, seinen realen Namen, seine echten persönlichen Daten, seine privaten Bilder und sonstige Informationen, die ich nicht einmal meinem Tagebuch anvertraue, aller Welt zugänglich zu machen? Man soll mich wirklich und in Echt finden, wenn man das denn wollte? Nicht, dass ich davon ausgehen würde, interessant oder gar wichtig zu sein. Habe ich da etwa was falsch verstanden...? Mein Gott, was bin ich doch für ein Nerd. Jetzt kommen mir doch langsam Zweifel an meiner Unzugänglichkeit. Sollte ich, eine Lady madeinsemiddleofseseventies vielleicht doch schon zu alt für diese Social-Media-Plattform sein? Autsch!
Doch werfen wir einen Blick auf das operative Every-Day-Business von Facebook. Als ich die berühmt-berüchtigte deutsche Gruppe gefunden hatte, musste zunächst eine weitere Hürde überwunden werden. Die Eigentümer/Ersteller/Betreiber (was weiß denn ich, wie sich das im FB-Slang genau schimpft) der Gruppe mussten einen erst freischalten, um dort lesen und posten zu können und das taten sie nur, wenn man ganz offensichtlich NKOTB-Zugetaner ist. Was grundsätzlich erst einmal eine gute Idee ist, will man sich beim Fansein nicht von Nonbelievern ärgern lassen.

Ich wagte also die untertänigste Anfrage, die heiligen Hallen der deutschen NKOTB-Gruppe betreten zu dürfen und … wurde akzeptiert! Danke, danke, danke (winkewinkefuchtelfuchtel), ich geb' 'ne Runde "Gefällt mir" aus! Gott sei Dank hatte ich mein Standard Martini-schlürfendes-Ava-Bild hochgeladen. Das hat einen entscheidenden Vorteil. Man wird erkannt, weil, man verändert sich nicht. Die Friese sitzt immer, der Taint ist vornehm geblässt. Stay the same a McIntyre would say. Wenngleich stetig besoffen - aber das mit Contenance s'il vous plaît - und schlechtes Vorbild für die Jugend mit dem permanenten Drink in der Hand. Aber what shells. Ich war nun stolzes Mitglied der Gruppe. Coming home, görls!
 
Nun gut, nach einiger Zeit stillen, schüchternen Mitlesens wagte ich, meine Blog-Rezession von „10“ dort zu posten. Es wurde gelesen und wohlwollend kommentiert, was unsägliche Freudentaumel hier auslöste. Und, was noch viel fantastischer war: Die Freundesanfragen strömten nur so herein! Ich war beliebt! Man wollte mit mir befreundet sein! Wenn ich gewusst hätte, wie einfach es ist, Freunde zu finden! Und kaum angefreundet, schreibt mir meine Allerbesteneuefreundin in MEINE Chronik, dass ICH auf der Blockhead-University studiert hätte und bei www.nkotb.com arbeiten würde (intensive Recherche hat ergeben, dass besagte Sister das wohl Standardmässig versucht) . Oh ...  wie süß von ihr! Wie alt ist sie wohl, meine BFF, und ... ob sie überhaupt schon kiffen darf? Fragen über Fragen.
Ansonsten allerdings blieb auf meiner neu installierten FB-Pinnwand keine weitere Frage offen. Gar keine. Man wurde darüber informiert, dass heute irgendwo in Hinterwaldhausen Gulasch gekocht wurde. Und Erdbeerkuchen wurde gebacken (verdammt, jetzt habe ich vergessen, wo das war), das hochgeladene Beweisfoto sah mächtig lecker aus!
  
Am tollsten aber finde ich die drolligen Bilder, wahlweise knuffige Tierbilder, sehr gerne aber auch die mit Kindern und der totale Burner sind die mit den lebensbejahenden Weisheitssprüchen - die geben mir irre viel positive Energie für den drögen Alltag - ich laufe bald Gefahr, hyperaktiv zu werden, wenn die Positivity weiterhin so strömt. Heute früh habe ich schon meinen Namen getanzt, so ekstatisch aufgeladen war ich mit den an mich herangetragenen Gescheitheiten.
Es ist schier unglaublich, was mir - dank meiner neuen FREUNDE - zuteil wird. Immer und immer und immer und immer wieder. Dinge, wie "Mein Kaktus blüht endlich!" oder "In meinem Blumentopf wächst ein Kleeblatt!“ (keine künstlerische Freiheit an dieser Stelle, das stand da wirklich, ich schwör‘s) natürlich mit bezaubernden Mittendrin-statt-nur-dabei-Bildern garniert. Abends lesen wir auch gerne das obligatorische „Ich gehe jetzt ins Bett“ - selbstverständlich herzerfrischend kommentiert von mindestens 27 1/2 Schwester-Facebookerinnen. Alle sind stets so bemüht. Und doch bringt mich soviel Zucker und Käse fast zum ... okay, lassen wir das besser.
 
 
Die eine Frage, die dann allerdings doch noch – zumindest in meinem - Raum steht, ist dann wohl folgende:
Seriously?!
 
DAS ist Facebook? Speechlessness Part 2. Einmal tief Luft holen und versuchen, das hier Wider- und Erfahrene irgendwie auf die Reihe zu bekommen. Ist das nun Leben satt oder Leben light? Oder habe ich gar zuviel des wahren Lebens, dass mir das Leben zuviel Leben abringt, dass ich einfach zu wenig des virtuellen Lebens mehr übrig habe, um der Welt ebenso essenzielle Dinge mitzuteilen? Woah, kann DARAUS bitte mal einer ein dufftes Spruchbild basteln, damit ich das mit all meinen Freunden teilen kann?
Der eine oder andere "Freund" von mir wird sich oder sein/ihr Facebook-Gebahren hier womöglich wiedererkennen – irgendwoher muss ich dieses Zeug ja haben, da ich mich ausschließlich NKOTB-bezogen auf Facebook bewege. Muss aber niemand persönlich nehmen, weil man sich ja sowieso nicht wirklich kennt. Auch nicht, wenn ich mit vielleicht ein paar 32 Leuten von hier auf dem einen oder anderen NKOTB-Gig rumgeschunkelt haben sollte, kennen wir uns trotzdem noch lange nicht. Und wer zu nahe am Wasser gebaut hat, kann ja an dieser Stelle beim Lesen aussteigen. Endstation Weichei. Das tröstende „Knuddel Dich mal“-Kommentar von Sister Njukidsloverin folgt bestimmt … soon oder so.
 
Als Teilzeit-Bloggerin befinde ich mich in einem ernsthaften Gewissenskonflikt. Klappe halten oder schlaue Sprüche klopfen? Nun gut, mit diesem Blog hat sich die Frage wohl erübrigt. Denn im Grunde meines Herzens bin ich ja einfach nur geil nach Aufmerksamkeit, um mein Inner-Adult-ADHS-Syndrom zu befriedigen. Geltungsbedürfnis. Die neue Volkskrankheit in Zeiten von Social Media. Immer da, immer dabei … und ja immer darüber reden. Deswegen existiert dieser Blog. Frau bildet sich ein, sich mitteilen zu müssen. Allerdings über Themen, die über Dinge des zu alltäglichen Lebens, über das uns viele User über Facebook hinlänglich informieren, hinausgehen. Und doch, ich esse und trinke auch und ich besitze sogar Kakteen, die allerdings niemals blühen.
Okay … an dieser Stelle muss ich dann wohl doch nochmal in mich gehen: Themen, die über Alltag usw. hinausgehen ... also bedeutsam sind ... Substanz haben … Grundthema dieses BloGs ist aber doch die versuchte Erklärung, den Blockhead’schen Virus und alle total crazy Aktionen als Fänin einer Boyband in ihren Vierzigern irgendwie zu erklären. Ups. Da habe ich mich jetzt wohl doch etwas verrannt im Eifer des Wortgefechts. Ach, scheiß drauf, weiter geht’s!
  
Geht es denn genau darum bei den sozialen Netzwerken? Über den Austausch von Banalitäten? Muss man wirklich die Welt darüber in Kenntnis setzen, wenn ich abends ins Bett gehe, mich ernähre, Probleme habe, sei es Krankheitsbedingt, Ärger mit Menschen in meinem persönlichen Umfeld oder eben auch über meine floralen Erfolge? Für mich persönlich mutet es befremdlich an, wenn ich manche Dinge lese. Bei manchen ist das wohl aber auch zu einem Tick mutiert, alles zu posten, zu teilen und zu kommentieren. Hauptsache, die Datenautobahn ist vollgepfropft mit den kitschigsten mit Glitzer gesprenkelten Poesie-Album-Sprüchen, die heute noch grausamer anmuten, als früher. Oder mit ernsten Themen, die hier eigentlich gar nichts zu suchen haben.
Random: Das Gerücht, dass Arbeitgeber (potenzielle) Arbeitnehmer in Facebook scannen, ist leider keines, das wird tatsächlich so gehandhabt. Das hat mir ein FREUND irgendeiner Cousine, deren Kollegin oder war’s die Nachbarin gesteckt. Oder jemand, der mir womöglich näher steht. Huch?! Anyway, man sollte sich wirklich ganz genau überlegen, welche Informationen und Daten man von sich ins Netz stellt. Egal, wie harmlos sie erscheinen mögen. Freunde hin, Bekanntschaften her.
 
Im Übrigen arbeite ich auch gerade an einer Lösung für dieses Problem: Lebe Dein Leben mit dem an die Hand getapten Smartphone, um die Welt sofort daran teilhaben zu lassen, sollte etwas passieren, das mitteilungswert wäre. Also … ständig … oder … nie? Wo liegt die Grenze dessen, was die Welt wissen muss und was sie gar nicht wissen will? Mein persönlicher Schwellenwert ist hier offensichtlich ziemlich niedrig, im Gegensatz zu anderen Menschen, die ständig etwas zu erzählen, teilen und zu kommentieren haben.
Vielleicht handelt es sich bei meiner Voreingenommenheit aber auch nur um ein Fall von akuter Social Network-Inkompatibilität. Wenngleich ich noch immer auf der Suche nach dem sozialen Aspekt bei der ganzen Sache bin, weil es für mich einfach nicht zu fassen ist – im doppelten Wortsinn.
 
Das Facebook-Stimmungs-Kollektiv ist allerdings in der Tat verblüffend. Mal ist wie auf einer Tupper-Party, alle sind entzückt von einem Bild, auf dem Jordan bezaubernd lacht wie vom tollen Klima, das die Gürkchen in der Magic-Happy-Vegetable-Perle erleben dürfen. Und dann wieder stürzen alle gemeinsam in eine tiefe Sinnkrise, weil eine CD, die man längst zuhause hat, in ihrer gepimpten Umverpackung aus Amiland noch nicht vom UPS-Mensch geliefert wurde. Äh … hallo?
Moment ... ich frage mich gerade ernsthaft, wie es dem endlich blühenden Kaktus wohl geht.
 
T‘schuldigung, ich muss einen Moment inne halten (…)
Okay, geht wieder. Ein bisschen sozial bin ich dann also doch noch? Give Kaktus a chance - gebt ihm einen eigenen Facebook-Account zur freien Entfaltung!
 
Also, ich bin gerne dabei, wenn es um die Sache geht. Also, die NKOTB-Sache. Man kann da ja auch gerne mal herumalbern und Fotos, Videos oder sonstige NKOTB-Ergüsse anschmachten. Und ich bin immer dankbar, wenn jemand Neuigkeiten der Blockhead-Community zur Verfügung stellt. Und wenn man sich auch im Real Life kennt, kann, darf und soll man auch gerne persönlicher miteinander umgehen. Aber mit oberflächlichem Geplänkel über NICHTS oder TOO MUCH möge man MICH bitte verschonen.
Und ja, ich fühle mich damit tatsächlich schon belästigt, wenn diese Dinge auf MEINER Pinnwand erscheinen. Ich will da keine drolligen Tierbilder sehen, schlaue Sprüche kann ich selbst und es interessiert mich einen Scheiß, was heute in Hintertupfingen gegessen wird und wie das Wetter in Provinzbachhausen beim Blick aus dem Küchenfenster gerade ist! Und schon gar nicht, ob ich Personen wie Hunz oder Kunz VIELLEICHT kenne. Von blöden Bingo-Daddel-Spielen, zu denen ich ständig animiert werde, will ich gar nicht erst reden. Oh, und nun bitte nicht das auf der Hand liegende angesäuerte und soo erwachsene Kommentar: „Du musst es ja nicht lesen, wenn es Dich stört!“. Erstens: Auf diese glorreiche Idee bin ich tatsächlich auch schon gekommen und zweitens: Laaaangweilig.
Mein erster Facebook-Klick führt somit nur noch in die deutsche NKOTB-Gruppe, um eventuelle Blockhead-relevanten News zu bekommen. Alles andere würde Martini’s kleine, heile Welt mit viel zu viel belanglosem Mist verstopfen.
Letztlich lässt sich pour moi festhalten, dass Facebook Verschwendung von wertvoller Lebenszeit ist, die man weit sinnvoller nutzen könnte. Allein die 5 Minuten, die Du gerade damit verplempert hast, diesen Blog zu lesen. Hättest Du Dich lieber mal um Deine Kinder, Tiere, Pflanzen, Ernährung oder reale Mitmenschen gekümmert. Ohne den Rest der Welt zwanghaft daran teilhaben zu lassen. Weil ... who cares?!
Außerdem finde ich das System an und für sich in keinster Weise ordentlich durchdacht. Nur weil ich jemanden online kennen lerne, bin ich noch lange nicht beFREUNDet. Diese Definition ist einfach völlig Banane. Es sollte hier wohl doch noch einmal systemtechnisch nach wirklichen Freunden und "Dazugeklickte, die sich zufällig für das gleiche Thema interessieren" unterschieden werden. Mister Zuckerberg, einmal Nachsitzen bitte! Des Weiteren finde ich Facebook hinsichtlich der Übersichtlichkeit furchtbar. Auch wenn sich hier bestimmt viele schlaue Menschen damit auseinandergesetzt haben, sind die Funktionen Design-technisch sehr schlecht gelöst. Es macht mir in keinster Weise Spaß, dieses System zu nutzen, allein aufgrund der Benutzeroberfläche, die mich nicht anspricht und funktionell auch nicht ausgereift ist. Ergonomisch eine mit nichts aufgeblasene Null-Nummer. Na gut, kostet schließlich nichts, dann muss es ja auch nicht viel taugen, check. FREUNDE werden Facebook und ICH in diesem Leben jedenfalls nicht mehr -> dickes DISLIKE!
 
So, nun bin ich am Ende mit meiner Abrechnung, deren Schöpfung mir ehrlich gesagt tatsächlich etwas Linderung meiner - Facebook sei Dank - angestauten Aggressionen gebracht hat. Ohm. Der gelästerte Seelen-Striptease. Und jetzt - *Trommelwirbelbitte* - bin ich natürlich tierisch geil auf zahllose „Likes“ und Kommentare, weil natürlich nutze ich das System maximalst aus, wenn ich es schon nicht leiden kann. Lasst mich nicht hängen, wir sind doch schließlich Freunde! Wahlweise könnt Ihr mir aber auch die Freundschaft kündigen oder einen Shitstorm auf mich niederprasseln lassen. Das darf nun echt jede/r handhaben, wie sie/er das gerne möchte. Wir sind ja schließlich alle ein bisschen Kaktus, oder?
Nun denn rutsche ich den kleinen aber feinen Hang zur Übermotivation auf meinem Allerwertesten wieder runter, knabbere ein paar Eiweiß-Schnittchen und nippe am Sauerstoff-Wässerchen, bürste mir mein güldenes Haar, vollziehe mein daily Workout, twittere das natürlich zuverlässig, dusche, singe dann meinen Pflanzen ein bisschen „Baby I believe in you“ vor und halte das natürlich alles mit meiner Polaroid-Kamera fest, hefte diese Bilder dann (mit old-school-Reisnägeln) an meine Kork-Pinnwand und lade jeden, der mir gerade über den Weg läuft ein, diese zu begutachten und zu kommentieren. Vielleicht ist Facebook danach ja schon wieder out und wir alle treffen auf einer neuen Plattform wieder. Beam us up, Scotty!
 
Bis es soweit ist, pflege ich einstweilen meine NeuRosen – vielleicht bringe ich ja wenigstens die zum Blühen. Womöglich hilft es, wenn ich sie mit etwas virtuellem Verfolgungswahn einsprühe.
Es bleibt also fluffig. Äh ... Gruppenkuscheln anyone?

Donnerstag, 4. April 2013

„10“ - Was erwartet Fan von einem Album, an das man keine Erwartungen hat?

Die Ankündigung Anfang des Jahres, im April käme ein neues Album, hat mich erst einmal relativ wenig bewegt, weil … das war ja noch ewig hin und überhaupt. Wobei der Vorgeschmack „Remix – I like the“ vielversprechend war (mit dieser Art der Song-Benennung Vorderteil-als-Hinterteil werde ich allerdings nie warm werden). Als dann dieser Tage ‘The Premium Deluxe Box Set‘ (DielaXX! falls sich noch einer an diesen Insider erinnert) zum käuflichen Erwerb angepriesen wurde, hat Fänin dann einfach auf den Button gepresst. Um dann nach diversen Bestätigungsmails zu sehen, dass man sich mit sofortiger Wirkung „10“ downloaden konnte. Gut … Blockhead-Symptom-Outbreak-Alarm. Erst kaufen, dann kucken, was überhaupt drin ist (Stelle zum kollektiven Augenverdrehen hier und jetzt). Nun gut, wenn man schon am Button pressen ist, wurde dieser Download-Knopf auch noch gedrückt.

Obwohl physisch und psychisch erst einige Tage später auf neue Block-Musik eingestellt, kam dann doch die Neugier. Weniger aus Musik-analytischen, sondern in dem Moment rein pragmatischen Gründen (nur keine akustische Verschwendung, alles meins!), habe ich mir „10“ dann via Kopfhörer zugeführt. Was ich wärmstens empfehlen kann, weil man hier einfach die volle Dröhnung - im wahrsten Sinne des Wortes - bekommt und einem Dinge auffallen, die PC/Notebook-Lautsprecher einfach nicht adäquat in der Lage sind, wiederzugeben.

Und es ist jedes Mal wieder aufs Neue speziell. Du hörst Musik, die Du noch nie in Deinem Leben zuvor gehört hast, und trotzdem sind Dir diese Stimmen dermaßen in Fleisch und Blut übergegangen, dass es sich einfach immer „familiar“ anhört und -fühlt. Und das völlig unabhängig davon, ob Dir hier eine geschmeidige Up-tempo-Nummer entgegen schmettert oder eine smoothe Ballade daher kommt. Auch völlig Banane, ob Dir das tatsächlich gefällt, was Du gerade hörst. Und wenn einem dann auch noch Jon Knight direkt und ohne Vorwarnung solistisch ins Ohr singt, dann ist das einfach ein Erlebnis, das einen erst einmal erstaunt innehalten lässt, um dann in ein stolzes Lächeln zu verfallen, das sich hartnäckig hält. Well done Jonathan Rashleigh Knight, it’s been a while since step 5!

Zwei bis drei dieser AhaWowHey-Effekte gab es beim ersten kompletten Durchlauf von „10“ durchaus. Hier sind auf jeden Fall „Crash“ zu erwähnen, das mit Clubbigen Abtanz-Beats derart aufgemotzt wurde, dass Fan hier nicht stillhalten kann – nachdem die Volume erst einmal extrem nach oben korrigiert werden muss, um die Power auch richtig mitzunehmen. Nicht wirklich Block-konform, aber … leider geil. Ich unterstelle diesem Song sogar das Potenzial, das neue „Tonight“ zu werden.

Ein weiteres Highlight für mich ist definitiv „Survive you“. Seit langem mal wieder eine starke Ballade. Fängt harmlos an, wird dann aber tatsächlich maßgeblich von einem Average-Sänger Donnie Wahlberg emotional in unvermutete Höhen gesteigert, begleitet von einem mehr als professionellen Harmoniegesang, den wir eher von BSB kennen (gelernt haben), als dass dies je die Stärke unserer Band war. Ich bin kein ausgesprochener Balladen-Fan, wenn es um NKOTB geht, hier geht es mir meist zu kitschig zu, aber „Survive you“ hat mich tatsächlich und wahrhaftig erwischt. Mein Gott, wie cheesy, aber sorry, zu diesem Song bleibt nur eins zu sagen. Schmachtfetzen at its best, aber trotz allem: Chapeau.

Wirklich gut gefallen haben mir wie schon erwähnt „Remix“, aber auch „We own tonight“. Auch die anderen Songs sind durchaus hörbar, wenn auch einige dabei sind, die ich ohne große Überwindung skippe, weil ich weder etwas verpasse, noch Unverzichtbares geboten bekomme. Aber dass mir ein Album – von wem auch immer – vom ersten bis zum letzten Track gefällt, ist noch nie vorgekommen. Ein Song muss mich in den ersten 20 Sekunden haben, sonst bin ich hier gnadenlos und drücke den drolligen Pfeil nach rechts. Einmal vorbeigenudelt und zurück.

10. Zehn. Also ich für meinen Teil habe mehr NKOTB-Alben im Regal. Vor allem, wenn man die Schallplatten (die großen, dünnen, runden, schwarzen Dinger) noch dazu zählt. Ja, na gut, die habe ich mittlerweile natürlich auch als CD, aber wer zählt hier schon. Weil man ja als eingefleischter Blockhead oft das ganz normale Album erwerben muss, damit das als verkauftes Exemplar in Deutschland zählt (man könnte es ja wider Erwarten doch einmal in die Charts schaffen), man dann aber meist noch dem Marketing-Gebaren von NKOTB erliegt und eine Dielaxx, eine um was auch immer gepimpte CD oder eine um einen oder zweieinhalb Tracks und drei hübsche Bilder erweiterte Variante erwerben muss – und natürlich hartnäckig leugnet, diesem total durchschaubaren Trick erlegen zu sein, sondern selbstverständlich dies in völligem Einklang mit seinen sämtlichen Sinnen getan hat. Ja nee, is’ klar. Aber was will man auch von einer Fangemeinde erwarten, die NKOTB zu dem bis heute gehaltenen Rekord im Verkauf von Merchandise-Artikeln verholfen hat. Eben.

Ich werde „10“ - wenn denn die CdZumInDerHandHalten, die natürlich seit dem frühestmöglichen Termin vorbestellt wurde, hier eintrudelt - gerne zu den nicht wirklich durchgezählten anderen NKOTB-Alben stellen und sie zufrieden ansehen. Ja, Fan kann zufrieden damit sein.

Und genau das ist für mich die erstaunlichste Erkenntnis, die dieses Album bei mir hinterlassen hat. Es ist rund. Es ist in sich eine in sich ausgereifte Sache und kommt selbstbewusst und mit sich und der Band im Reinen daher. Was nicht heißt, dass es ein perfektes Album ist. „10“ wird nicht die Welt verändern. Es wird nicht in die Hall of Fame aufgenommen werden aufgrund wahrhaftig tiefgründiger Texte, ausgeklügelter Soundarrangements oder just because.

Aber im Gegensatz zu „The Block“ wurde hier nicht zwanghaft einem aktuellen Musiktrend hinterhergerannt. Man hat nicht diverse Größen der US-Musikproduzenten-Elite engagiert, um auch ja im Gespräch zu bleiben, um im Wir-Sind-Hip-Karussell mitzufahren. Geholfen hat dies sowieso nichts. „The Block“ war für meinen Geschmack viel zu sehr gewollt, man konnte ihm den Anspruch, dabei sein zu wollen, viel zu sehr anmerken. Und das hat es steril und künstlich werden lassen. Es sollte mit aller Gewalt ein Comeback-Album werden, über das geredet wird. Gemessen am Chart-Erfolg hat dies nicht funktioniert. Und bei mir auch nicht. Hier fehlte für mich einfach die Seele.

Ich wage an dieser Stelle keine Prognose, ob das neue Album Chancen auf den kommerziellen Erfolg jenseits der BH-Gemeinde haben wird. Denn auch „10“ ist made in Boybandland. Und alleine diese Tatsache wird es bei vielen Kritikern schon durchfallen lassen. Ein Stigma, ein Fluch, eine Prophezeiung?

Ich hatte keine Erwartung an dieses Album. Weder in die eine, noch in die andere Richtung. Aber vielleicht ist es gerade deswegen eine gute Sache für mich geworden. NKOTB haben noch nie perfekte Musik abgeliefert und werden das auch nie tun (äh, ja, doch, Blockhead speaking). Das ist auch nicht Sinn der Sache. Sinn oder völlige Sinnlosigkeit im NKTOB-Land ist das In-between, das vermittelt wird. Von der Band zu den Fans und von den Fans zur Band. Man kann es nicht erklären, wenn man nicht mittendrin ist. Und ich erlebe mit diesem Album das Gefühl, dass hier die Band endlich wieder das gemacht hat, worauf sie wirklich Bock hatte und was sie am besten kann. Ob dies nun der Tatsache geschuldet ist, nicht mehr bei einem großen Label zu sein und man auf die großen Namen im Musikbusiness verzichtet hat, sei an dieser Stelle einmal dahin gestellt. Werden wir auch nie erfahren. Weil unsere amerikanischen Boybander hier immer gerne sentimental werden und erzählen, dass alles nur für die Fans gemacht wurde. Aber der Gedanke, dass „10“ mit einem dänischen Produzententeam erbastelt wurde und eben NICHT mit dem Who-is-who der US-Musikmenschen, gefällt mir. Weil das ganz offensichtlich eine viel gesündere Kollaboration war, wenn man sich das Endergebnis vor Augen und Ohren hält. Zumindest, was mein ganz persönliches Soundempfinden angeht. Und das muss man sich hart erarbeiten. Fai.

Egal, aus welchen Beweggründen „10“ so geworden ist, wie wir es nun zu hören bekommen. Es vermittelt mir ein gewisses „Back to the roots“-Gefühl, mit dem ich gut leben kann. Es hat eine gewisse Leichtigkeit und kommt daher unverkrampft und locker rüber. Man hat nicht versucht, sich hier neu zu erfinden. Um Jon aus einem aktuellen Interview zu zitieren, angesprochen auf die Entstehungszeit des Albums: „The flow was easy, a smooth process.“. Und genau das spürt man auch.
So, nach dieser ganzen Lobhudelei dürft Ihr Euch jetzt niederknien, liebste NKOTB, und ich schlage Euch zu Rittern. Zumindest diejenigen von Euch, die es noch nicht sind.

Samstag, 12. Mai 2012

1991 vs. 2012 ... Schtuttgaard!

08. Mai 1991: Stuttgart, Hanns-Martin-Schleyerhalle, die Fön-Frisur, die zu Hochwasserhosen hochgekrempelten Jeans, die viel zu weiten Fan-Shirts und die echten Fake-Backstage-Pässe am Start. Monatelang mit Hingabe vorbereitet, die Reise bis zum Tag X bis ins Detail mit den besorgten Eltern geplant und unzählige Male im Geiste durchlebt, die Telefonnummer samt 30 Pfennig Telefongeld des in Stuttgart ansässigen Onkels, bei dem man sich einquartiert hatte, im Brustbeutel sicher verwahrt.

Fast auf den Tag genau 21 Jahre später: Stuttgart, Hanns-Martin-Schleyerhalle: Die Frisur etwas tiefer, das Styling etwas dezenter, wenngleich aber selbstverständlich mit Bedacht ausgesucht. Die so ganz ohne elterliche Unterstützung geplante Anreise aus dem 4*-Hotel mit der praktischen Familienkutsche war wegen Fußball und lausigem Stuttgarter Parkleitsystem war zwar etwas erschwert, aber irgendwann war man doch wieder vor besagtem Venue angekommen – in Erwartung einer emotionalen Déjà-vue-Keule. NKOTB live in Concert. Again.
Das Déjà-vue blieb aus … und das war auch ganz gut so.
Schtuttgaard!

Nein, es war mitnichten eine Reise in die Vergangenheit. Es war ein mit Nostalgie getränkter Wake-up-call daran, dass man mit Mitte/Ende 30 noch lange nicht zu alt ist, um die Haare herunterzulassen, sich die Seele aus dem Leib zu zappeln und auf Einfach-mal-loslassen-Modus umzuschalten. Eine Auszeit vom Alltag, eine fantastische Möglichkeit, den inneren Blockhead einmal wieder rauszuholen und die bis in die DNA-verankerte Musik samt Emotionen freizulassen. Erwachsen und vernünftig ist morgen wieder.
An dieser Stelle möchte ich mich auch ganz offiziell bei meiner rechten Nachbarin entschuldigen, die aufgrund meiner raumgreifender Tanzeinlagen, meines bis zur Heiserkeit zelebrierten Mitgesangs sowie meiner ausschweifenden Moves-like-NKOTB öfters einen Ellenbogen oder sonstige Extremitäten in Mitleidenschaft gezogen wurde. Sorry … oder so.

Was wurde uns geboten? Wir bekamen eine perfekt in Szene gesetzte Show serviert, ein von der ersten bis zur letzten Minute virtuos durchgestyltes Spektakel mit 9 Hauptdarstellern, die nach allen Regeln der Kunst in deren jeweils rechtestes Licht gerückt waren. Alles genau zur rechten Zeit am rechten Ort. Und das - sei es nun professionell dargebracht oder einfach nur echte – Gefühl, dass ausnahmslos alle Bock auf die Show hatten und genau diese 2,5 Stunden mit uns eine geile Party feiern wollten. Und das in einer vollen Hütte mit 10.000 mir zu 99,9 % unbekannten Menschen, mit denen man für diese Zeit in eine in sich geschlossene „Emosphere“ eintauchte.
Es war kein Abend der Experimente oder des Versuchs, uns neue Musik schönzuperformen. Nein, es waren die alten, die uns so vertrauten Songs, die im rasanten Tempo ohne Verschnaufpause für beide Seiten dargeboten wurden. Schön im Wechsel, damit keine Fanseite zu lange warten musste, um wieder voll Gas zu geben. Wobei ich absolut zugeben muss, bei den BSB-Parts nicht wirklich vom Gas gegangen zu sein. Wozu auch. Feiern kann man tatsächlich auch bei den wirklich sympathischen Backstreet Boys, da einem die Texte wegen häufigerer Rauf- und Runternudelung deren Songs im Radio einfach vertraut sind und die vier Herren wirklich eine tolle Show abgeliefert haben. Kann man ja man ja mal völlig neidlos anerkennen. Wir Blockheads haben ja auch nur dem Namen nach ein Brett vor dem Kopf.

Wir genossen Entertainment auf den Punkt gebracht für Blockheads und BSB-Fans, zugeschnitten auf genau unsere Bedürfnisse. Na ja, alles andere hätte ja auch keinen Sinn gemacht. Wir wollen keine gereiften Sänger sehen, die sich in Anzug und Krawatte darauf konzentrieren, anspruchsvolle Chansons zu schmettern und sich wie Familienväter oder einfach nur erwachsen benehmen. Das kennen wir von Zuhause zur Genüge. Und dank der Penis-Stage, die permanent mit einbezogen wurde, war ständig Action und Bewegung für Auge und Ohr geboten.
Trotz – oder vielleicht ja auch wegen – einem BSB-Fan-Überhang war es ein toller Abend. Auch dass sich die BSB-Fans teilweise bei den reinen NKOTB-Songs hinsetzten und etwas ruhiger wurden, tat der Sache keinen Abbruch. Kein Geläster, keine Arroganz und schon gar keine Ignoranz unserer Band gegenüber. Im Gegenteil. Und wenn man Reaktionen im eigenen Fanlager beobachtet, so muss man wohl mit einem gewissen Amüsement feststellen, dass es hier einige new born BSB-Fans gibt. Interessant, wenn man zurückdenkt, wie die ersten Reaktionen auf die gemeinsame NKOTBSB-Tour waren. Aber zeigt einem doch nur wieder einmal, dass man manche Dinge einfach geschehen lassen muss, ohne sie von vorn herein zu verurteilen. Und was würde an dieser Stelle besser passen, als ein – wenn auch schon in die Jahre gekommenes, aber immer noch wahres – Wood-Zitat: „Try it, try it, you might like it!“. Ja Danny, hast‘ ja Recht, wir hätten wirklich etwas verpasst, wären wir nicht hingegangen.

Die gemeinsame Show war zwar, wenn man das große Ganze betrachtet, das Optimum hinsichtlich Show, Action und Unterhaltungswert, einige kleine Abstriche aber gab es, wenn man sie mit reinen NKOTB-Shows vergleicht. Das temporeiche Styling der Show nahm den beiden Bands mit ihren vier bzw. fünf Einzelperformern leider auch etwas Raum. So gab es für meinen Geschmack zu wenig persönliche Ansprache beider Bands. Natürlich gab es das eine oder andere an die jeweiligen Fans gerichtete persönliche Wort, aber für viel mehr war einfach kein Platz. Mir fehlte eine patriotische Donnie-Ansprache bzgl. was auch immer. Einfach ein paar mehr Wahlberg Wise Words. Sicher, in einer Ein-Band-Show sind diese Talk-Einlagen einfach oft Lückenfüller, um zu überbrücken. Diese waren bei dieser Show nicht nötig bzw. aus Zeitgründen nicht möglich, was etwas schade ist.
Genauso die Tatsache, dass mir ein Jon Knight etwas untergegangen ist zwischen den anderen 8 stärkeren Performern. Er hat nun mal keine Soli und wenn dann noch vier weitere starke Bühnencharaktere auf dem Plan sind, dann nimmt ihn das noch etwas mehr zurück, als sonst schon. In den NKOTB-Shows 2009 wurde er eben in den damals vorhandenen Talk-Breaks durch die anderen mehr mit einbezogen. Für ihn ist die 9-er-Combo leider ein Platzräuber. Wobei ich mir nicht sicher bin, ob es ihm persönlich tatsächlich etwas ausmacht, noch etwas mehr im Hintergrund zu sein.

Im Gegensatz zu ihm ließen sich allerdings die Herren McIntyre und der jüngere Knight nicht lange bitten, um sich genügend Platz und Aufmerksamkeit auf der Bühne zu verschaffen. Immer noch kein ausgesprochener Jordan-Fan muss ich ihm auch nach 2009 wieder einen supersauberen Gesang attestieren. Ein wieder einmal perfekt präsentiertes „I’ll be loving you forever“. Da saß jede noch so hohe Note (ja, auch als Fänin einer vermeintlich anspruchslosen Musik achte ich auf Qualität). Ebenso wie bei Joe, der sich wieder einmal als vollendeter Entertainer unter Beweis stellte. Wenngleich das schauspielerisch fast bis zum Erbrechen dargebotene Lechzen nach Anbetung „Ich bin so unglaublich sexy, vergöttert mich!“ stellenweise fast ein Hauch zu viel des Guten war. Aber dass sie sich selbst dabei nicht hundertprozentig ernst dabei nahmen, war ebenfalls nicht zu übersehen. Und in Anbetracht der Ansexung (aber alles nur im Spiel) der BSB-Jungs der vier Mädels, die sie auf die Bühne holten, kann man darüber gerade noch so hinwegsehen.
Aber selbstverständlich sind es gerade diese gnadenlos überzogenen Szenen, die Nonbelievers auf den Plan ruft. Natürlich habe ich mir die deutsche Presse-Resonanz auf die Show angetan. Nicht, dass ich hier irgendwelche Lobhudeleien erwartet hätte. Wobei der Tenor meist doch eher positiv ist hinsichtlich der Professionalität und des Entertainmentfaktors der Show. Aber sicherlich geht es nicht ohne Seitenhiebe u.a. hinsichtlich des fortgeschrittenen Alters sowohl der Bands als auch der Konzertbesucher und deren vermeintlicher Rückfall in Teenie-Verhaltensweisen.

Natürlich sind sie älter geworden. Aber das Gute an der Sache ist ja gerade, dass wir gemeinsam älter geworden sind. Ich würde mir keine Show von gephotogeshopten 20-Jährigen Typen anschauen, die auf der Bühne singen und tanzen. Aus dem Alter ist man tatsächlich heraus. Aber was spricht dagegen, sich ungefähr Gleichaltrige anzusehen, die mir das bieten, was mir vertraut ist, die damals wie heute etwas in mir auslösen, weil sie einfach unendlich lange schon Wegbegleiter waren und sind? Die trotz ihres doch wahnsinnig reifen Alters fast fitter und mit viel mehr gefühltem Herzblut auf der Bühne rocken, als in 1991? Sei’s nun Berechnung hinsichtlich deren Rente oder weil sie einfach Bock darauf haben.
Die Show war genau mit den trivialen Dingen gespickt, auf die wir damals schon abgefahren sind? Ja. Hat damals funktioniert und tut es heute noch. Und es tut der Sache auch keinen Abbruch, dass wir uns dessen – trotz oder ja vielleicht gerade wegen der Unterstellung, wir würden es nicht bemerken – absolut bewusst sind. Kreisende Hüften, vom Leib gerissene Shirts, laszive Blicke? Ja, mehr davon! Wer hat zuhause schon einen Mann, der einem das bietet? Eben. Und genau aus diesem Grund sind wir wiedergekommen. Um unsere niedrigsten Begehrlichkeit zu befriedigen ohne das lästige Buhlen um männliche Aufmerksamkeit, was sich gerne einstellt, wenn man anderweitig „ausgeht“. Und nein, wir sind nicht einfach gestrickt. Wir sind so intelligent, es zuzulassen. Wir wollen es, wir kriegen es und es fühlt sich verdammt gut an!

Wenn man sich darauf eingelassen hat, konnte man einen perfekten Abend erleben, mit toller Musik, einer bis in kleine Detail durchdachter Show, bis zu einem gewissen Punkt einem vertraute Performer, die wieder einmal die Seele berührt haben, einem Hauch Nostalgie und dem Gefühl, hier genau richtig zu sein. Es war alles dabei, was dabei sein musste und gerade deswegen war es eine absolut runde Sache.
Was bleibt? Die im ersten Moment drollige Anekdote, dass mich meine Sitznachbarin, ihres Zeichens BSB-Fänin, tatsächlich und in Echt gesiezt hat, was mir wirklich zu denken gibt. Nun gut, die Zeiten des Anti-Agings sind hier dann wohl endgültig angebrochen. :-/

Und wieder einmal das Bewusstsein, dass NKOTB nachhaltig mein Leben beeinflusst haben. Die Tatsache, meine erste NKOTB-Show in 1991 in Stuttgart und 21 Jahre später wieder mit meiner damals wie heute besten Freundin zu erleben, macht es einfach nochmal so speziell. „Weißt Du noch, damals waren wir genau da gestanden, und …!“. Goosebumps due to friendship made by NKOTB. Und definitiv viel zu viel Käse, um einen holzigen Beigeschmack zu haben.
Thanks again for coming home, NKOTB … und es war wirklich in Ordnung, dass Ihr BSB mitgebracht habt.