Es scheint mal wieder Saure-Gurken-Zeit. Die Europa-Tour ist vorbei, das neue Video von „2 in the Morning“ wurde zur Kenntnis genommen, ansonsten ist derzeit wenig, das im deutschsprachigen NKOTB-Web zum Verweilen animieren würde. Was bietet sich in dieser Zeit nun mehr an, als meinen geschätzten „Kollegen“ der Presse einmal genau auf den Zahn zu fühlen. Und da haben wir auch gleich das erste Stichwort.
Wir alle erinnern uns an den Klassiker: „Die Zahnspangen-Generation im kollektiven Schreikrampf.“ Die legendäre Spiegel-Reportage, blasiert, herablassend und derart fern jeglicher Blockhead-Überzeugungen, dass der Schmerz, sich dieses Un-Werk anzusehen, körperlich zu spüren war. Heute, um einige Jahre gereift, schmerzresistenter und Zahnspangen-befreit, bereitet mir der Bericht eher Langeweile, gepaart mit der Erkenntnis, dass er schlichtweg das pure Desinteresse der Macher demonstriert. Objektivität? Wie sollte diese zustande kommen, wenn jemand, der etwas – u.a. auch aus einem gewissen Generationenkonflikt heraus – nicht verstehen will und somit keine objektive Sichtweise an den Tag legen kann. Und etwas, das nicht verstanden wird, muss zerrissen werden. Journalismus-Gesetz. Es einfach nur als Phänomen der damaligen Zeit zu sehen und den positiven Aspekten Tribut zu zollen (hey, immerhin lungerten wir nicht gelangweilt als Couchpotatos rum, sondern waren aktiv), wurde gar nicht erst in Betracht gezogen. Dass zu Hochzeiten von NKOTB in Deutschland nicht alles Gold war, was glänzte, auch Band-intern, das steht auf einem anderen Blatt geschrieben.
Doch machen wir nun einen ganz großen Sprung von damals zu heute. New Kids on the Block back in Germany. Ganze zwei Konzerte wurden uns beschert – natürlich wieder ein Grund, sich am vermeintlich mangelnden Interesse der überwiegend weiblichen Fans hochzuziehen. Aber nein, mein Fehler! Daran war doch sicherlich wieder das lausige Management oder die Plattenfirma samt der suboptimalen Promotion Schuld! Lasst uns Unterschriften sammeln! Man weiß nie, wozu es gut ist.
Wenn man sich nun die Nachberichterstattung der Konzerte in Frankfurt und Düsseldorf ansieht, so stellt man leicht amüsiert fest, dass sich einige Schreiberlinge fest vorgenommen hatten, ihren Bericht entsprechend ihrer vorab bereits festgefrorenen Gehirnskulptur zur Thematik Boyband zu erstellen. Bedauerlicherweise wollte es nur den wenigsten gelingen, ausschließlich die in früheren Zeiten bereits bis zum Erbrechen ausgelatschten Klischees zu bedienen. Nun gut, die erzkonservative, überseriöse Journallie lies sich von diesem Vorhaben nicht abbringen und lies wohl dieselben Geschichtenschreiber ran, wie damals. Mussten die doch ihre Possen von früher nur bezüglich der Daten aktualisieren. Doch im Großen und Ganzen muss man sagen, die Artikel sind überwiegend friedlich im Grundton, da vor allem die Professionalität der Show zu schätzen gewusst wurde.
Aber sehen wir uns doch ein paar der Kommentare an. Man möge mir nachsehen, dass ich nicht bei jedem einzelnen die Quelle angebe, schließlich sind wir alle des Googlens mächtig und überhaupt sind die Artikel selten einer ausgiebigen Betrachtung wert. Und ich habe mir wirklich redliche Mühe gegeben, meine Recherche ausgewogen wiederzugeben, sprich, sowohl den positiven als auch den negativen Schwingungen Raum zu geben.
„Dass sie 15 Jahre später in ihrer Originalbesetzung für derartige Begeisterungsstürme sorgen, hätte wohl niemand gedacht.“
Also, da hätte der werte Kollege wohl mal jemanden fragen sollen, der sich damit auskennt. Ein, na gut zwei Klicks ins NKOTB-Net-Land und er wäre eines Besseren belehrt worden. Niemand hätte das gedacht? Stimmt, weil alle davon überzeugt waren.
„Wenn eine Boygroup 15 Jahre nach ihrer Auflösung ein Comeback versucht, hat das etwas Tragisches.“
Tragisch? Tragisch ist, dass mir im Moment leider nichts Tragischeres einfallen will, als die Tatsache, dass hier das Wort tragisch verwendet wurde. Womöglich einfach nur ein billiger Eyecatcher, eine tragische Verwechslung und es war eigentlich "traumhaft" gemeint oder es war tatsächlich vom Mitglied der schreibenden Zunft so gemeint - was schlussendlich wieder sehr tragisch wäre, da er oder sie vor lauter Ich-greife-heute-mal-in-meiner-Kiste-mit-negativen-Adjektiven-zum-Buchstaben-T die Tatsachen um so ziemlich 100 % verfehlt.
„Von Peinlichkeit jedoch keine Spur.“
Na, das hört sich ja nun gerade so an, als ob jemand penetrant danach gesucht hätte? Nach der Peinlichkeit? Tja, so kann man sich natürlich auch den Abend verderben, indem man nach etwas sucht, das weder auf unfreiwilliger Basis vorhanden noch ganz bewusst Teil der Show war.
„Die US-Amerikaner aus Boston präsentierten ihre Show auf hohem Niveau, traten mit rockiger Liveband und vier Tänzerinnen auf und Jordan Knight zeigte sich über Strecken als spektakulärer Sänger.“
Das ist nun zwar nur ein ganz kleiner Teil dessen, was mir dazu noch alles einfallen würde, aber gut, damit kann ich leben.
„Reichlich nervös gestalten sich die ersten Minuten für die fünf in die Jahre gekommenen Heroen, nachdem der Vorhang den Blick auf ein hinlänglich bekanntes Bühnenambiente mit dreifacher Las-Vegas-Showtreppe freigegeben hat.“
Ja, ein Drama spielte sich da vor unseren Augen ab! Die Halle bebt vor Enthusiasmus und unsere Heroen (stand das im Brockhaus unter dem Begriff „Wird von meist weiblichen Homo Sapiens angehimmelt und versetzt dieselbigen häufig in Verzückung“?) haben nichts Besseres zu tun, als rastlos auf der Bühne auf und ab zu tanzen und vor lauter Nervosität unruhige Hand- und Armhaltung sowie Hin- und Herlaufen (Auszug aus Wikipedia zum Stichwort Nervosität) an den Tag zu legen. Eine Tragödie, die sich da abgespielt hat, um beim gewohnten Vokabular zu bleiben. Ja, und im Übrigen ist eine Bühne ist eine Bühne ist eine Bühne. Wir sind gekommen, um NKOTB live in Concert zu sehen und nicht, um einem Bühnenkreativitätswettbewerb beizuwohnen. Und außerdem ist Las Vegas ja wohl nach wie vor eine der führenden Entertainment-Hochburgen dieser Welt, insofern kann ich eine dreifache (Himmel, das ist mir im Eifer des Gefechts gar nicht aufgefallen, dass sie dreifach war…), Las-Vegas-Showtreppe durchaus als akzeptabel betrachten. Wäre sie nur zweifach gewesen, nun ja …
Abschließend vielleicht noch ein Wort an die Herren und Damen Journalisten: Stellt Euch vor, es ist Rezession, aber NKOTB gehen nicht hin. Weil sie vorausschauend geplant haben und sich auf ihre Fanbase verlassen können. Und am Ende haben wir alle etwas davon. Doch ... darüber wird wohl nie einer schreiben. Ach, hätte ich doch mein geplantes Journalismus-Studium durchgezogen. Dann wären die Blätter voll von positiven NKOTB-Berichten. Mist.
Wir alle erinnern uns an den Klassiker: „Die Zahnspangen-Generation im kollektiven Schreikrampf.“ Die legendäre Spiegel-Reportage, blasiert, herablassend und derart fern jeglicher Blockhead-Überzeugungen, dass der Schmerz, sich dieses Un-Werk anzusehen, körperlich zu spüren war. Heute, um einige Jahre gereift, schmerzresistenter und Zahnspangen-befreit, bereitet mir der Bericht eher Langeweile, gepaart mit der Erkenntnis, dass er schlichtweg das pure Desinteresse der Macher demonstriert. Objektivität? Wie sollte diese zustande kommen, wenn jemand, der etwas – u.a. auch aus einem gewissen Generationenkonflikt heraus – nicht verstehen will und somit keine objektive Sichtweise an den Tag legen kann. Und etwas, das nicht verstanden wird, muss zerrissen werden. Journalismus-Gesetz. Es einfach nur als Phänomen der damaligen Zeit zu sehen und den positiven Aspekten Tribut zu zollen (hey, immerhin lungerten wir nicht gelangweilt als Couchpotatos rum, sondern waren aktiv), wurde gar nicht erst in Betracht gezogen. Dass zu Hochzeiten von NKOTB in Deutschland nicht alles Gold war, was glänzte, auch Band-intern, das steht auf einem anderen Blatt geschrieben.
Doch machen wir nun einen ganz großen Sprung von damals zu heute. New Kids on the Block back in Germany. Ganze zwei Konzerte wurden uns beschert – natürlich wieder ein Grund, sich am vermeintlich mangelnden Interesse der überwiegend weiblichen Fans hochzuziehen. Aber nein, mein Fehler! Daran war doch sicherlich wieder das lausige Management oder die Plattenfirma samt der suboptimalen Promotion Schuld! Lasst uns Unterschriften sammeln! Man weiß nie, wozu es gut ist.
Wenn man sich nun die Nachberichterstattung der Konzerte in Frankfurt und Düsseldorf ansieht, so stellt man leicht amüsiert fest, dass sich einige Schreiberlinge fest vorgenommen hatten, ihren Bericht entsprechend ihrer vorab bereits festgefrorenen Gehirnskulptur zur Thematik Boyband zu erstellen. Bedauerlicherweise wollte es nur den wenigsten gelingen, ausschließlich die in früheren Zeiten bereits bis zum Erbrechen ausgelatschten Klischees zu bedienen. Nun gut, die erzkonservative, überseriöse Journallie lies sich von diesem Vorhaben nicht abbringen und lies wohl dieselben Geschichtenschreiber ran, wie damals. Mussten die doch ihre Possen von früher nur bezüglich der Daten aktualisieren. Doch im Großen und Ganzen muss man sagen, die Artikel sind überwiegend friedlich im Grundton, da vor allem die Professionalität der Show zu schätzen gewusst wurde.
Aber sehen wir uns doch ein paar der Kommentare an. Man möge mir nachsehen, dass ich nicht bei jedem einzelnen die Quelle angebe, schließlich sind wir alle des Googlens mächtig und überhaupt sind die Artikel selten einer ausgiebigen Betrachtung wert. Und ich habe mir wirklich redliche Mühe gegeben, meine Recherche ausgewogen wiederzugeben, sprich, sowohl den positiven als auch den negativen Schwingungen Raum zu geben.
„Dass sie 15 Jahre später in ihrer Originalbesetzung für derartige Begeisterungsstürme sorgen, hätte wohl niemand gedacht.“
Also, da hätte der werte Kollege wohl mal jemanden fragen sollen, der sich damit auskennt. Ein, na gut zwei Klicks ins NKOTB-Net-Land und er wäre eines Besseren belehrt worden. Niemand hätte das gedacht? Stimmt, weil alle davon überzeugt waren.
„Wenn eine Boygroup 15 Jahre nach ihrer Auflösung ein Comeback versucht, hat das etwas Tragisches.“
Tragisch? Tragisch ist, dass mir im Moment leider nichts Tragischeres einfallen will, als die Tatsache, dass hier das Wort tragisch verwendet wurde. Womöglich einfach nur ein billiger Eyecatcher, eine tragische Verwechslung und es war eigentlich "traumhaft" gemeint oder es war tatsächlich vom Mitglied der schreibenden Zunft so gemeint - was schlussendlich wieder sehr tragisch wäre, da er oder sie vor lauter Ich-greife-heute-mal-in-meiner-Kiste-mit-negativen-Adjektiven-zum-Buchstaben-T die Tatsachen um so ziemlich 100 % verfehlt.
„Von Peinlichkeit jedoch keine Spur.“
Na, das hört sich ja nun gerade so an, als ob jemand penetrant danach gesucht hätte? Nach der Peinlichkeit? Tja, so kann man sich natürlich auch den Abend verderben, indem man nach etwas sucht, das weder auf unfreiwilliger Basis vorhanden noch ganz bewusst Teil der Show war.
„Die US-Amerikaner aus Boston präsentierten ihre Show auf hohem Niveau, traten mit rockiger Liveband und vier Tänzerinnen auf und Jordan Knight zeigte sich über Strecken als spektakulärer Sänger.“
Das ist nun zwar nur ein ganz kleiner Teil dessen, was mir dazu noch alles einfallen würde, aber gut, damit kann ich leben.
„Reichlich nervös gestalten sich die ersten Minuten für die fünf in die Jahre gekommenen Heroen, nachdem der Vorhang den Blick auf ein hinlänglich bekanntes Bühnenambiente mit dreifacher Las-Vegas-Showtreppe freigegeben hat.“
Ja, ein Drama spielte sich da vor unseren Augen ab! Die Halle bebt vor Enthusiasmus und unsere Heroen (stand das im Brockhaus unter dem Begriff „Wird von meist weiblichen Homo Sapiens angehimmelt und versetzt dieselbigen häufig in Verzückung“?) haben nichts Besseres zu tun, als rastlos auf der Bühne auf und ab zu tanzen und vor lauter Nervosität unruhige Hand- und Armhaltung sowie Hin- und Herlaufen (Auszug aus Wikipedia zum Stichwort Nervosität) an den Tag zu legen. Eine Tragödie, die sich da abgespielt hat, um beim gewohnten Vokabular zu bleiben. Ja, und im Übrigen ist eine Bühne ist eine Bühne ist eine Bühne. Wir sind gekommen, um NKOTB live in Concert zu sehen und nicht, um einem Bühnenkreativitätswettbewerb beizuwohnen. Und außerdem ist Las Vegas ja wohl nach wie vor eine der führenden Entertainment-Hochburgen dieser Welt, insofern kann ich eine dreifache (Himmel, das ist mir im Eifer des Gefechts gar nicht aufgefallen, dass sie dreifach war…), Las-Vegas-Showtreppe durchaus als akzeptabel betrachten. Wäre sie nur zweifach gewesen, nun ja …
Abschließend vielleicht noch ein Wort an die Herren und Damen Journalisten: Stellt Euch vor, es ist Rezession, aber NKOTB gehen nicht hin. Weil sie vorausschauend geplant haben und sich auf ihre Fanbase verlassen können. Und am Ende haben wir alle etwas davon. Doch ... darüber wird wohl nie einer schreiben. Ach, hätte ich doch mein geplantes Journalismus-Studium durchgezogen. Dann wären die Blätter voll von positiven NKOTB-Berichten. Mist.