Das alltägliche Ritual: PC hochfahren, erwartungsvoll warten, bis eine Online-Verbindung steht, E-Mails checken, Browser öffnen und los geht’s. Eine Reihe von NKOTB-Foren und Homepages wollen schließlich auf Neuigkeiten abgearbeitet werden. Im Laufe der Zeit hat sich hierbei eine relativ fest gelegte Reihenfolge verinnerlicht. Man weiß ziemlich genau, auf welcher Seite man wirklich die neuesten Informationen bekommt, wo hauptsächlich geplaudert wird, wo man sich überwiegend dem sentimentalen Anschmachten und Austauschen von Liebesschwüren widmet und wo man die aktuellsten Bilder und Videos zu sehen bekommt. Alles verschiedene Seiten und doch trifft man sich doch fast überall wieder. Ein Post hier, ein kleiner Chat da, man kennt sich ja schließlich. Die Fanbase ist unwiederbringlich vernetzt. Oder sollte man sagen: sie ist gefangen im Netz? Aussteigen (fast) unmöglich?
Obwohl die Homebase – also die Mutter aller NKOTB-Seiten: http://www.nkotb.com – der Quell allen Ursprungs ist, so hat sich das Netz inzwischen über das ganz www ausgebreitet und noch weit darüber hinaus auf unzählige Heim-, Klapp- und ja, bestimmt sogar den einen oder anderen Geschäftscomputer. So ziemlich jedes Land dürfte inzwischen seine eigene ‚offizielle’ Homepage haben, bestehende Netzwerke wie MySpace wurden bedarfsgerecht nkotb-siert und in den verschiedenen Communities haben sich wie im wahren Leben Grüppchen, ja zum Teil sogar Freundschaften, gebildet. Wie im wahren Leben – ja, aber irgendwie gehört das Leben in NKOTB-World doch inzwischen zum „wahren“ Leben dazu, oder? Fans aller Herren Länder versammelt Euch – online! Where real life takes place.
Ja, so toll verdrahtet sind wir heutzutage in unserem geliebten Mikrokosmos. Doch, wie war das eigentlich früher? Nun, damals kauften wir fleißig eine bzw. diverse Jugendzeitschrift/en mit vielen bunten Bildern, der/denen wir heutzutage aus diversen Gründen nicht mehr sehr zugetan sind. Allerdings war es auch die einzige Möglichkeit, an Adressen von deutschen oder internationalen Fanclubs zu kommen und somit den Kontakt mit anderen Fans herzustellen. Hätte es damals jedoch bereits die technischen Raffinessen der heutigen Zeit gegeben - die sich im Fanwahn befindlichen Teenies hätten die Massen an Input wohl gar nicht verkraftet.
Als ich vor drei Wochen am Konzerttag meine raumgreifende, angestaubte, aber deswegen nicht minder wohl gehütete NKOTB-Kiste aus alten Zeiten hervorkramte, um mich auf die erste Show seit 15 Jahren einzustimmen und natürlich auch aus Nostalgiegründen, quollen mir geschätzte 20 kg Zeitungsausschnitte, Poster, Sticker, Merchandising, alte Konzerttickets mitsamt der damals benutzen Zug- und S-Bahnfahrkarten entgegen. Trotz ungläubiger Blicken auf das, was mir hier gefühlte Jahrzehnte später wieder unter die Augen kam, riefen diese Dinge zum einen großes Gelächter, aber auch einen gewaltigen Erinnerungsflash hervor. Denn ich weiß heute noch ziemlich genau, woher jeder einzelne Schnipsel dieser Sammlung stammt. Ein Jammer, dass mir dies nie mit Vokabeln oder mathematischen Formeln gelingen wollte.
Als Relikte dieser Dekade fanden sich ebenfalls mehrere Umschläge aus den USA wieder, die ich zunächst nicht einordnen konnte. Nach Öffnen des ersten jedoch war auch diese Erinnerungslücke wieder geschlossen. Ich hatte – was man als absolut nicht lausige Fänin nun einfach tun musste – an den einen (?) amerikanischen Fanclub geschrieben, um einerseits wertvolles Merchandising zu erwerben und andererseits, um eine Mitgliedschaft im hochheiligen Club zu erwirken. Die Bestellung ging nach einigen Schwierigkeiten, die Begleichung der Rechnung im internationalen Bankverkehr betreffend, über die Bühne, eine Mitgliedschaft im Fanclub jedoch sollte mir verwehrt bleiben, aus Gründen, die sich mir heute auch nicht mehr wirklich erschließen. Aber – das Absageschreiben war immerhin von einer Knight-Schwester (original!) unterschrieben (der/ein Fanclub wurde wohl zeitweise von Familienmitgliedern geleitet) – schon allein dies war ein Grund, das Stück Papier im übertragenen Sinn auf Samt zu betten und zu huldigen.
Ein Schriftwechsel in die USA dauert damals ca. 4-5 Wochen – mit kostspieliger Luftpostbeförderung versteht sich. Und heute – ist alles nur ein „Click“ away. Kontakt mit anderen Blockheads, Abrufen der letzten Neuigkeiten, die Befriedigung des eigenen Mitteilungsbedürfnisses – alles eine Frage der Maus, mit der wir uns durch das Labyrinth des NKOTB-Netzwerkes klicken. Ab und zu findet man ein Stück Käse am Wegesrand, das im Eifer des Fanseins von sich gegeben wurde. Auch wird man vereinzelt Zeuge von Emotionen in diversen Schattierungen, die ihren Weg über die Tastatur ins Netz gefunden haben. Man kann viel finden in den oft selbst gestrickten Maschen von NKOTB-World. Man muss nur die Augen danach offen halten und den vorgeklickten Pfaden folgen …
In diesem Zusammenhang erscheint es mir doch mehr als treffend, dass lt. diverser Aussagen unserer Manband „ClickClickClick“ der Song war, der alles wieder ins Rollen gebracht hat …
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