Donnerstag, 5. März 2009

Hitch-hiking

Manchmal, wenn ich alleine im Auto unterwegs bin, dann unterhalte ich mich ab und zu mit Donnie. Wenn schon sonst keiner da ist und frau auf ihren Schnitt kommen muss bzgl. der vorgegebenen X-tausend gesprochenen Worte am Tag, dann lasse ich mich nicht herab und führe Selbstgespräche. Ich doch nicht. Und da ich derzeit weder beruflich noch privat großartig die Möglichkeit habe, mich der so geliebten englischen Sprache zu befleißigen, so führen wir unsere Gespräche natürlich in feinstem Kaugummi-Englisch. Ja, wir kommen dann – je nach Länge der Wegstrecke – ins Plaudern, tauschen uns aus, was es Neues gibt im NKOTB-Mikrokosmos. Na gut, die meiste Zeit bin ich am Reden. Erzähle ihm dann, was die deutschen Blockheads gerade so beschäftigt, was wir über dieses oder jenes denken. Okay, was ICH über gewisse Dinge denke. Und schon referiere ich meist über die Themen, die genau hier in sämtlichen epischen Längen und Breiten zu finden sind. Um mir nicht den Mund fusselig zu reden, sage ich dann meistens: „Hey, what about reading my blog!“. Tja, blöd nur, dass er dann immer sagt: „Sure, I’m gonna do that, would you please translate it for me?!“ An diesem Punkt bricht das Gespräch dann meist abrupt ab, denn das hört sich nach verdammt viel Arbeit an, das alles, was ich hier bereits geschrieben habe, auch noch ins Englische zu übersetzen – und das ohne Garantie, dass Donnie es wirklich lesen wird. Weil, wann sollte er das bitte tun? Ist doch ein viel beschäftigter Mann …

Warum ich mir gerade Donnie als regelmäßigen Gesprächspartner auserkoren habe? Warum ich nicht mal abwechsle und die anderen auch mal zu Wort kommen lasse? Ist Donnie gar mein heimlicher Favorit, von dem ich selbst nichts wusste? Nun, diese Frage kann ich aus voller Überzeugung mit einem klaren Nein beantworten. War er nie, ist er nicht und wird er wohl nie sein. Womöglich gerade deshalb kann ich mich so locker mit ihm unterhalten. Ich finde, er hat oft ganz vernünftige Ansichten, er ist ein Leader und jemand, dem man zuhört. Und ich denke, er ist authentisch. Verstellt sich nicht, sondern ist so, wie er sich gibt. Wenn er müde ist, ist er müde und hängt durch, wenn er gut drauf ist, dann lässt er es ebenfalls raus. Und ich glaube, dass er ein sehr emotionaler Mensch ist, der trotz seiner nach außen getragenen Stärke, durchaus verletzlich ist.

Joseph Mulrey McIntyre, mein Herzensbrecher der Vergangenheit. Was war ich in ihn verliebt. Er konnte machen, was er wollte, ich fand es einfach toll. Wenn ich mir heutzutage allerdings manche Dinge von früher ansehe, dann überkommt mich gelegentlich die Skepsis, warum das so war. Aber gut, ist abgehakt unter der Rubrik 'ich war jung und hatte kein Geld’. Ob ich mich früher auch mit Joe unterhalten habe? Nein, ich glaube nicht. Womöglich wäre ich auch nicht groß zu Wort gekommen, wo er doch gerne mal ausschweifend wird. Und – wie oft kann ein Mensch in einem Satz eigentlich „you know“ sagen? Joe Mac. Er hat sich zu einem tollen Entertainer entwickelt und er wird auch immer ein kleines Plätzchen in Philly’s Herz haben … und vielleicht nehme ich ihn ja doch auch mal mit im Auto.

Oder sollte ich gar einmal Danny aufgabeln, wenn er mit dem Daumen nach oben am Straßenrand steht? Sicher, warum nicht. Danny war und ist für mich immer – Achtung Floskel – der nette Junge von nebenan. Ich hab mir nie großartige Gedanken über Danny gemacht. Er war immer da, er war in Ordnung, ein Basic der Gruppe und Danny ist einfach Danny. Womöglich würde ich endlich mal etwas über ihn persönlich herausfinden, wenn wir uns unterhalten würden. Oder hätten wir überhaupt ein Thema, über das wir reden könnten? Bestimmt würde sich etwas finden. Zumindest über das Thema Kinder kommt man ja immer ins Gespräch. Und er hat ja gleich vier davon.

Doch was ist mit den Knight-Brüdern? Wäre nicht einer von ihnen ein ebenfalls adäquater Gesprächspartner, mit dem sich eine Autofahrt unterhaltsamer gestalten ließe? Jordan. Jordan ist schwer zu beschreiben. Bei ihm weiß man nie so genau, woran man ist. Er ist unbestritten ein verdammt guter Sänger, er kann sich fantastisch bewegen, er ist nett anzuschauen – und er ist sich dessen sehr bewusst. Er ist ein Typ, auf den die Frauen stehen, allein optisch. Und doch habe ich bei ihm immer das Gefühl, da ist noch etwas, das da unter der hübschen Oberfläche steckt. Ich bin noch nicht dahinter gekommen, was es sein könnte, aber irgendetwas macht ihn unnahbar. Eine meiner Theorien ist, dass er eigentlich ein ziemlich unsicherer Mensch ist. Nun bekommt er aber seit frühester Jugend unglaublich viel Aufmerksamkeit. Und will dieser Stand halten. Ich glaube, in dem Jordan, den wir sehen und zu kennen glauben, wohnt noch ein ganz anderer Jordan. Und wie immer er sein mag, ich wünsche ihm, dass er beide Jordans irgendwann einmal in Einklang bringen wird.

Last but definitely not least Mr. Jonathan Knight. Wenn er tatsächlich einmal neben mir im Auto sitzen sollte, dann werde ich ihn fragen, ob er sich absolut wohl fühlt, mit dem was er gerade tut. Ob er davon überzeugt ist, mit NKOTB wieder auf Tour zu sein, ob es das ist, was ihn glücklich macht. Ich habe ein ganz leises, kaum spürbares Gefühl, dass dieser ganz besondere Mensch Jon – und dessen bin ich mir ungesehen sicher, dass er das ist – womöglich nur mit 99,9 % seines Herzens bei dieser Reunion dabei ist Es ist vielleicht der etwas traurige, melancholische Blick, den man manchmal bei ihm sieht, vielleicht aber auch die Tatsache, dass ich ab und zu das Gefühl habe, er ruft das Programm „Konzert: Singen + Tanzen“ immer wieder ab – und ist froh, wenn es vorbei ist. Es mag nur ein unbedeutender Eindruck meinerseits sein, der entstanden ist aus vielen, kleinen Schnipseln. Aber, vielleicht ist es einfach auch nur das, was einen Jonathan Knight ausmacht, diese leise, sinnliche Art, nicht willens, sich ganz tief in sein Herz schauen zu lassen. Und wer sollte ihm dieses Recht absprechen – ich ganz sicher nicht. Und eines bin ich mir gewiss: Dass er die ganze Sache – das Comeback, die Gruppe, das Feedback der Fans – absolut zu schätzen weiß. Was bleibt ihm auch anderes übrig bei soviel Zuneigung, die ihm täglich zuteil wird. Nur ein Blick in Online-Jonland und er müsste vor Rührung, was ihm so viele Fans zuteil werden lassen, ein ewiges Lächeln ins Herz gezaubert haben. Aber der Eindruck, er wäre manchmal lieber woanders, als derzeit, bleibt leider. Ich hoffe allerdings auch, dass ich hierbei total falsch liege. Für alle Jonwives dieser Welt und – ja, auch für mich selbst. Denn NKOTB ohne Jon wären nicht NKOTB.

Falls es im Übrigen jemand albern finden sollte, sich mit Donnie oder sonst jemandem zu unterhalten, der nicht in persona neben einem sitzt, der möge sich zunächst einmal selbst an die Blockhead-Nase packen und überlegen, was er oder sie für Dinge tut, die andere Menschen womöglich für „verstrahlt“ halten könnten. Sicher, normal ist das nicht, aber wer es sich als Hardcore-Fan anmaßt, sich als normal zu bezeichnen, der möge sich bitte an der Schlange für „lausig“ anstellen.

Und nein, ich hatte in der Kindheit auch keinen unsichtbaren Freund oder so … das kam alles sehr viel später … ;-)

Montag, 2. März 2009

Word up

Es gibt Songs, die fesseln Dich und Du weißt nicht, warum. Ist es die Melodie, die Dir sofort ins Herz geht, ein mitreißender Rhythmus oder ein besonderer Text? Erinnert Dich das Lied an eine bestimmte Situation? Oder lief das Lied im Hintergrund eines Films, einer Serie oder bei was auch immer und das visuelle Bild und die musikalische Untermalung haben einfach zu 100 % gepasst? Oder es ist ein Song Deiner Lieblingsband, nennen wir sie der Einfachheit halber NKOTB, das Dich dazu „verleitet“, ihn in die Riege Deiner Lieblingslieder aufzunehmen, weil Dir die Stimmen so sehr vertraut sind, weil Du Dich womöglich selbst angesprochen fühlst?

Ein guter Song muss nicht zwangsläufig einen tiefgründigen Text haben. Es ist die Harmonie zwischen Musik und Worten. Sie müssen eine Einheit bilden. Dass die Symphonie zwischen beiden eine schwierige Symbiosen sein kann, damit das Endprodukt ein Gutes wird, ist klar. Mit den technischen Möglichkeiten, die der Heimcomputer, das Keyboard oder gar das Internet bieten, ist es fast jedem möglich, etwas „Hörbares“ zu kreieren. Doch die Rezeptur, die aus einem Song einen richtig guten Song macht, ist sehr schwer zu finden. Kann ich aus eigener Erfahrung sagen.

Richtig gute Songtexte sucht man vor allem im Chartbereich meist vergebens. Zum einen, weil die Mehrheit der Hörer nicht sehr großen Wert darauf legt und zum anderen, weil es schlichtweg einfacher ist, „leichte Kost“ zu produzieren. Die Texte der Masse aller Songs lassen sich ungefähr auf diese Formel zusammenfassen:

„I love you and you love me, let’s get together and quit never“.

Okay, das Englisch lässt an dieser Stelle zu wünschen übrig, aber es trifft die Sache doch im Kern. Ungefähr 98 % aller Songs sind Liebeslieder, anscheinend ist es das Thema, das sich am besten zu glatten Hörergebnissen verarbeiten lässt und in das sich jeder irgendwie hineindenken und –fühlen kann. Ob die Worte dann die eines großen Philosophen sind oder einfach nur dem oben genannten Standard entsprechend, spielt meist eine untergeordnete Rolle.

Ich freue mich, wenn mich ein Lied zunächst rein musikalisch anspricht und ich dann feststelle, dass sich da auch noch jemand Gedanken zum Text gemacht hat. Gute Songtexte sind inspirierend und animieren mich persönlich zuweilen selbst zum Schreiben. Aber ich hocke nicht ausschließlich vor meinen Boxen und lausche, was das genau gesungen wird. Einerseits weil es das in den seltensten Fällen die Mühe wert ist und andererseits lasse ich mich auch durchaus gerne mal nur „berieseln“ – ohne gleich nach dem tieferen Sinn zu forschen.

Wenn ich mir z.B. „Hangin’ tough“ anhöre, so laut aufdrehe, dass ich gerade noch auf die Nachsicht meiner Nachbarn hoffen kann, dann ist mir der Text an dieser Stelle auch herzlich egal. Es pusht, es wummert, es rockt. Und ob mir hier eine mit Löffeln gefressene Weisheit serviert wird oder nicht - who cares.

Ein guter Songtext liegt oft auch im Auge des Betrachters. Oft hat sich der Schreiber viele Gedanken um das, was er im Song rüberbringen will, gemacht. Sei es aus einer persönlichen Erfahrung heraus, die hier verarbeitet wird, oder weil er denkt, dass genau das, was er zu Papier gebracht hat, beim Hörer ankommen könnte. Ob das, was er beim Schreiben gedacht und gefühlt hat, den Hörer tatsächlich dann aber auch erreicht, ist ein anderes Thema. Womöglich sind viele Songtexte unterschätzt und dahinter verbergen sich sehr persönliche Dramen.

„Lalalalalala Tonight“ – eine der wohl albernsten Textstellen in der NKTOB-Lyrics-Abteilung. Und doch funktioniert genau dieser Baustein hervorragend. „Tonight“ ist einer der – zumindest hierzulande – bekanntesten Songs von NKOTB. Weil sich viele an diese sehr eingängige Passage, geschickt gemixt mit einem schmissigen Beatles-Mitschnipp-Groove, erinnern. Wer fragt da noch nach dem tieferen (Un-)Sinn des Textes.

Nein, NKOTB sind nicht gerade ein Paradebeispiel für herausragende Textlieferanten. Hier hat sich nie ein Texter – wer auch immer daran gearbeitet hat – zu weit aus dem Fenster gelehnt. Vom allerersten Album müssen wir hier nicht wirklich reden, die hier niedergeschriebenen Inhalte („You’re my Popsicle“ … ?! … ich will nicht wissen, wer sich das warum und in welchem Zusammenhang ausgedacht hat … ) zeugen, nun ja, von jugendlichem Leichtsinn. Zu mehr Interpretation bin ich an dieser Stelle einfach nicht in der Lage, es fehlt dann doch einfach an der Grundlage.

Auf den nachfolgenden Alben sowie THE BLOCK finden sich die üblichen, eingängigen Texte, die übertragbar sind auf viele andere Scheiben und Künstler. Nichts Herausragendes, weder im Positiven, noch im Negativen. Lediglich bei „2 in the Morning“ bekommt man das Gefühl, es steckt tatsächlich das dahinter, was in Text und Musik transportiert wird. Das geht mir bzw. uns als Fans wohl aber hauptsächlich deswegen so, weil Donnie darüber sagte, dass ihm persönlich der Song etwas bedeutet, dass er hier womöglich Szenen seiner Ehe/Scheidung verarbeitet hat. Ob es mir als Nicht-Fan auch so gegangen wäre und diese Botschaft tatsächlich bei mir angekommen wäre? Ich weiß es nicht. Aber ich höre mir das Werk sehr gerne immer wieder an.

Es gibt mitunter Lieder, deren Text ich auch nach unzähligem Anhören bzw. nach langwierigem Textstudium nicht verstehe. Ein Beispiel dafür ist „Hallelujah“, zu finden in der aktuellen Playlist unten auf dieser Seite. Ein wunderschöner Nicht-NKTOB-Song, dessen Botschaft mir bislang jedoch verwehrt bleibt. Vielleicht gibt es in diesem Song auch gar keine Botschaft und der Texter hat schlichtweg nur einige schlaue Worte aneinander gereiht. Damit es so aussieht, als hätte sich hier jemand sehr viele Gedanken gemacht und ich noch weitere viele Stunden darüber sinnieren kann, ohne zu einem Ergebnis zu kommen. Macht nix, ich werde es mir trotzdem weiterhin anhören. Weil der Song einfach pure Intensität transportiert, dabei aber ganz „leise“ daherkommt.

Wenn ich mir diesen Beitrag noch einmal so durchlese, dann könnte man mal wieder meinen, ich wäre ein Blockhead mit temporären Aussetzern. NKOTB-Texte sind durchschnittlich, Meet & Greets sind nicht das Maß aller Dinge, die Kreuzfahrt war auch nicht so der Renner … und das alles auf einem Fan-Blog.

Mein Name ist Philosophia und ich bin NKOTB-süchtig … aber ein bisschen Selbsttherapie muss auch mal sein. Aber: Don’t do drugs – do NKOTB!