Die NKOTB-Foren - ich wage den Zusatz weltweit - sind nahezu verwaist. Nur wenige User finden den Weg in die Communities und wenn, dann oftmals nur, um kurz reinzusehen, ob es etwas Neues gibt und da dies derzeit selten der Fall ist, sind sie auch schon wieder weg. Es wird kaum geschrieben, ein kurzes Hallo hier, ein Smalltalk-Wie-geht-es-Dir dort. Ausnahme von je her das Forum auf nkotb.com. Da hier aber meiner unbedeutenden Meinung nach sowieso für jeden abgebrochenen Fingernagel eine neue Baustelle aufgemacht wird, sei ning hier einmal außen vor.
Zurück zu den deutschen Communities. Die Zeiten, in denen jeder Pups zur Staatsaffäre hochstilisiert wurde, jede Nichtigkeit bis zum Erbrechen ausgelatscht, totgequatscht, zu den Akten gelegt, um dann doch wieder herausgezerrt zu werden, um das ganze Spiel nochmals von vorne zu beginnen, weil eine unbedeutende Randbemerkung Grundlage für neue ausladende Gesprächsrunden wurde, gehören der Vergangenheit an. Man sei sich diesbezüglich meiner Erleichterung gewiss. Und was die deutschen Foren angeht, so ging es hier schon vor Twitter eher bedächtig zu. Woran das aber im Einzelfall liegt, sei hier für den Moment vernachlässigt.
Wer Unterhaltung will, muss twittern. Twitter, die multimediale Plattform, anfangs belächelt und mit Skepsis betrachtet, heute aber unverzichtbar, wenn man am Puls der Zeit sein möchte. Falls es tatsächlich noch den einen oder anderen geben sollte, der Twitter nicht kennt (this is your wake-up-call!): Twitter ist ein Tool, mit dem man kurze Nachrichten sowie persönliche Mitteilungen an Freunde/Follower verschicken kann via Mobiltelefon oder per Internet. Viele Celebrities von Arnold Schwarzenegger über Lady Gaga bis Paris Hilton haben zwischenzeitlich einen Twitter-Account. Man kann diesen "folgen" und bekommt so deren Nachrichten direkt in seine Nachrichten-Inbox. Es ist fast so, als ob man eine SMS bekommt - nur mit dem Unterschied, dass - je nach Anzahl der Follower - diese hunderfacht, ja gar tausendfach in die Posteingänge strömt und gelesen wird.
Natürlich twittern auch alle NKOTB-Mitglieder inzwischen unter ihrem eigenen Namen, der eine mehr, der andere weniger. Der eine schreibt täglich - und nahezu jeden Tag dasselbe, der andere eher sporadisch, dann aber oftmals mit wirklich persönlicher Note. Und kommt ein Tweet vom Favourite, so wird kräftig geantwortet, kommt es doch fast einem persönlichen Kontakt gleich. Texten mit Donnie, Danny, Joe, Jordan und Jonathan! Kann es etwas Spannenderes geben? Dass jedem ihrer Tweets eine Flut von Antworten folgt, die selbst mit größtem Goodwill nicht alle vom Empfänger gelesen werden können, spielt erst einmal keine große Rolle. Es könnte ja doch sein, und es wird gerade meine Antwort gelesen! Womöglich sogar beantwortet, was hin und wieder tatsächlich vorkommt. Nur einmal die Glückliche sein und eine Antwort bekommen - was jedes Mal wieder eine Woge der Verzückung mit sich bringt und es eine Freude ist, einem so seltenen Ereignis beizuwohnen - das ist das Streben eines Blockheads nach Glückseligkeit. Ironischerweise findet man anschließend gerne mal einen Post in dem einen oder anderen Forum: "Joe/Donnie/Jordan/Jonathan/Danny hat mir auf Twitter geantwortet!!!"
Doch zu 99 % wird Twitter inzwischen zur Kommunikation der Blockheads unter sich genutzt. Eine Mischung aus Forum, Chat und SMS. Es erlaubt ein schnelles Austauschen von Informationen, man kann den ganzen Tag twittern, da hier immer irgend jemand da ist und - man kann von Twitter halten, was man will - man lernt das Komprimieren von Informationen auf 140 Zeichen. Was doch immer wieder eine Herausforderung für die weibliche Mitteilungsfreude ist (zumindest die meines philosophischen Ichs in Anbetracht der Länge der Blogs hier). Aber in Twitterwelt kann man aufgrund der Restriktion auf diese Nachrichtenlänge gar nicht erst ins Ausschweifen kommen, was bei einigen Leuten durchaus von Vorteil ist.
Als Ausnahme sei hier ein gewisser Donald E. Wahlberg genannt. Dieser ist in der Lage, 20 Tweets hintereinander ins Twitteruniversum hinauszuballern - jede einzelne gespickt mit lebensbejahenden Weisheiten, die die pure Positivität des Daseins beschwören. Irgendwann einmal finde ich das Buch, aus dem er diese womöglich zitiert. Nicht, dass ich nicht der Meinung bin, Donnie hätte nicht selbst so viele schlaue Dinge zu sagen, mitnichten. …. it's about being smart! ;-) Am schönsten aber finde ich die Antworten, die seine Tweets nach sich ziehen. Auf einmal besinnt sich ganz BH-World wieder darauf, das Leben toll zu finden, seinen/ihren Weg zu gehen und dass das Streben nach Höherem und dem zufriedenen Selbst doch wieder in den Mittelpunkt gerückt werden sollte. Herrlich! Kein Sarkasmus, nein, finde ich wirklich.
In Anbetracht all dieser Vorteile, die Twitter bietet, ist es nicht weiter verwunderlich, dass die Foren leer sind. Eigentlich hat sich die ganze Kommunikation nur verlagert - denn weniger ist sie eigentlich nicht geworden. Nur, dass man nun bei Twitter nachlesen muss, wenn man alles mitbekommen möchte und dies nicht schön untergliedert ist wie in den Foren. Aber es sind auch hier dieselben Larifari-Dinge zu lesen, die man eigentlich nicht wissen will/muss. Es soll auch schon Menschen geben, die Twitter-süchtig sind. Abhängig davon, mitzubekommen, was alle Welt derzeit tut und tweetet und andererseits aller Welt mitzuteilen, was man selbst gerade tut und tweetet. Nur nichts verpassen.
Ich selbst nutze Twitter auch für den alltäglichen Kontakt mit einer übersichtlichen Anzahl von Blockheads (Philosophia sucht man hier allerdings vergeblich - ich sollte mir wohl doch mal den Namen sichern für einen philosophisch wertvollen Tweet des Tages?!). Und doch sehe ich jeden Tag noch in die Foren, es könnte ja doch mal einer etwas schreiben. Ich denke, eine Mischung aus Foren, Twitter und für den persönlich tiefergehenden Kontakt mit inzwischen freundschaftlichen Bekanntschaften per msn, Mail usw. ist in Ordnung. Dinge verändern sich nunmal. It's a brave new world. Die Zeiten, in denen die Foren vor lauter Information schier zusammengebrochen sind, gehören wohl der Vergangenheit an. Aber ganz ohne sie würde wohl doch etwas fehlen. Und schließlich darf man nicht vergessen, dass man sich hier erst einmal kennen gelernt hat. Insofern ist es müßig, nur das eine oder andere gut zu finden/zu verteufeln. Jeder nach seinem plaisir.
Viva la Blockhead-Communication! Wherever it takes place!