Dienstag, 13. Oktober 2009

Ich und Du, Müllers Kuh oder Me, Myself and I

Um es gleich vorweg zu nehmen: Ich bin schuldig. In jeder Hinsicht. Dieser Name, dieser Blog, diese Seite - alles Fake. Oder, um es etwas weniger drastisch zu formulieren: Philosophia ist eine rein virtuelle Existenz, im wahren Leben körperlos, ein ausschließlich energetisches Produkt meiner geistigen Schöpfungskraft. Warum wurde sie geschaffen? Warum verstecke ich meine wortreichen Ausflüge in den NKOTB-Mikrokosmos hinter einem Pseudonym? Warum kann dies nicht mein (fast) ebenso anonymes, wenn auch etwas bekannteres Blockhead-Online-Ich übernehmen? Nun, was anfangs als Spielerei begann, entwickelte sich im Laufe der Zeit zum "ernsthaften" (soweit möglich in Anbetracht des zwar nicht überlebenswichtigen, aber doch essentiellen Grundthemas) Ventil und Ausdrucksinstrument. Philosophia analysiert, philosophiert, dramatisiert, meckert, lästert, lobt (selten) und schimpft (oft). Wobei sie jederzeit zweifelsfrei harmlos und auf ihre ganz eigene Art authentisch ist.

Doch in der Tat scheint der Trend ganz offensichtlich zum Zweit-Account zu gehen. Immer wieder kam es bereits in den Foren vor - als diese noch gelebt wurden - dass bei Streitigkeiten auf ein Mal ein brandneuer User auf den Plan trat und kräftig mit- bzw. aufmischte. Und irgendwie kam einem etwas daran bekannt vor. War es, dass man augenfällig auf Krawall aus war oder zufällig genau dieselbe Meinung eines anderen Users vertrat (meist jedoch mit dem gehaltvolleren Aggressionspotenzial), oder irgendetwas am Stil des "Neuen" vertraut schien. Man hatte einfach ein komisches Gefühl, denn so schnell sie aufgetaucht waren, so schnell waren sie auch meist wieder verschwunden.

Und auch auf Twitter begegnen wir diesem Phänomen immer wieder. Nein, ich rede nicht von der allseits geliebten Britney, die uns gerne und beharrlich in phantasievollen und immer neuen Künstlernamen auf den Fersen folgt. Wer die Suchfunktion von Twitter nutzt und auch einmal nach Dingen sucht, die nicht immer die schöne, heile Zwitscherwelt widerspiegelt, wird leider fündig. Meist in Form von frisch geschlüpften, fast noch jungfräulichen Accounts, die mit einem Vokabular, das seinesgleichen sucht, in oftmals aggressiver Art und Weise den einen oder anderen Bandgenossen persönlich attackiert. Man kann spekulieren, was dahinter steckt. Manchmal klingt es nach abgrundtiefer Enttäuschung, ein persönliches Treffen mit welchen Inhalten/Vorkommnissen auch immer vorausgehend, die sich nun in schierer Wut entlädt, ein anderes Mal gar ist es offensichtlich pure Wichtigtuerei, noch ein anderes Mal rechtfertigt sich jemand, ein Bandmitglied bei einem unfreiwilligen Treffen angesprochen zu haben, was auf der anderen Seite große Erregung hervorgerufen hatte. Es soll tatsächlich aber auch Zweit-Accounts geben, die einzig und allein dem hemmungslosen Anschmachten von The one and onlys dienen, ohne sich danach vor Freund und Follower rechtfertigen oder anfeixen lassen zu müssen.

Schöne anonyme Online-Welt. Sicherlich hätten wir im realen Leben auch gerne ab und zu eine Tarnkappe, um die eigene Meinung in aller Klarheit und Emotionalität zu vertreten und dabei aber keinerlei Konsequenzen fürchten zu müssen. Wir wollen als Individuen akzeptiert werden und dabei emanzipiert sein, wir möchten ein autarkes Leben führen, unseren Platz in der Gesellschaft haben. Doch offensichtlich sind wir nicht so souverän, wie wir vorgeben zu sein. Warum sonst flüchten sich so viele in die anonyme Welt, die eigentlich nur aus 0ern und 1ern besteht? Und warum toppen wir dies damit, noch einen Schritt weiter zu gehen und uns auf einer noch höhere Anonymitätsebene in Form von Zweit-Accounts zu bewegen? Ist es der verborgene Wunsch, selbst zu bestimmen, wann man einfach mal Arschloch sein möchte und danach trotzdem noch in den Spiegel schauen kann (?), weil man ja so clever ist und sich dafür ganz prima verkleidet hat?

Es ist schlicht und ergreifend möglich. Und so einfach. Und die Gefahr, entdeckt zu werden, relativ gering. Aber ab und zu mal die - im wahrsten Sinne des Wortes - Sau heraus zu lassen, um am nächsten Tag wieder in die geliebte Eierkuchenwelt einzutauchen à la "war was?!" scheint sich zu einem Grundbedürfnis zu entwickeln. Meine Eier sind für heute somit auch verquirlt. Gut, dass wir beide hier hinter der Tastatur gerne Eierkuchen essen.

Wobei manche allerdings gar keine zwei Accounts benötigen, um gequirlte Sch...wachleistungen von sich zu geben. Da genügt oft schon einer.

2 Kommentare:

  1. ich bin nur eine.ich hab nur einen twitteraccount. ich werde in mich gehen, ob ich nicht doch einen zweiten brauche, um aber so was von die sau rauslassen zu dürfen.

    namensvorschläge?

    AntwortenLöschen
  2. Ich habe auch nur ein Account, aber manchmal wäre ein Zweit-Account doch eine Überlegung wert??!! ;))

    AntwortenLöschen

Hinweis: Nur ein Mitglied dieses Blogs kann Kommentare posten.