Du bist Deutschland. Weil, wir sind Papst, bei uns ist Geiz geil, wir erledigen gewissenhaft unsere Kehrwoche, machen uns stets Sorgen, was denn die Nachbarn denken könnten und wollen alle Spießer werden, wenn wir groß sind. Man sollte meinen, die deutsche Blockhead-Gemeinschaft wäre die Bestorganisierteste überhaupt, legt man denn alle typisch deutschen Tugenden - zumindest dem Klischee nach - zugrunde. Doch ... wo ist der deutsche NKOTB-Fan überhaupt?
Wagen wir die traurige Bestandsaufnahme: Es gibt zwei deutsche Fanboards. Das eine, anfangs der Reunion noch voller Leben, Drama, Pepp und Heiterkeit, dümpelt gähnenderweise vor sich hin. Zwei Frühaufsteherinnen halten tapfer die Stellung und lassen uns an ihren Alltäglichkeiten im ehemals Wannabe-a-chatroom-Faden "Germany is ready" teilhaben. Germany war hier vielleicht mal ready, aber inzwischen lockt nur noch eine DVD-Erscheinung ein paar wenige Schreibwillige hinter dem Ofen vor. Und das auch überwiegend, weil die Dinger bis heute nicht vollständig ausgeliefert wurden. Neuigkeiten bekommt man hier schon lange nicht mehr.
Das andere Board liefert zwar Neuigkeiten, aber eine Schreibkultur sucht man hier vergeblich. Mag daran liegen, dass sich Board 2 von Board 1 einst abgespaltent hat wegen unüberbrückbarer Zwistigkeiten, die man sich - angesichts der lähmenden Einöde derzeit - fast gar zurückwünscht. Oder ist es womöglich die stets mitschwingende Arroganz, sich als DEN Fanclub Deutschlands zu bezeichnen, gepaart mit der launigen Eingeschnapptheit, warum dies denn bitte schön nicht gewürdigt und in der Welt verkündet wird?
Dass frau sich nicht zwei Jahre lang inhaltsschwergewichtigen Postings hingeben kann scheint klar. Aber dass die deutsche Fanbase - die irgendwo das draußen existiert - keinen einheitlichen Meeting Point hat, der es wert wäre, regelmäßig aufzusuchen und sich auch mitzuteilen, ist keine Frage von großer Politik. Die sollte nämlich einfach mal beiseite gelegt und sich darauf konzentriert werden, worum es geht. Ein deutsches Netzwerk, das nach allen Seiten offen ist, aber doch ein in sich geschlossenes Ganzes ist, damit auch etwas erreicht werden kann. So schwer ist das nicht.
Aber man hat irgendwie immer unterschwellig das Gefühl, dass der deutschen Blockheads Aktionen bereits im Vorfeld zum Scheitern verurteilt sind (wobei auch das eine oder andere alberne oder unsinnige Vorhaben dabei war) bzw. eher zufällig von den eigenen Leuten gesehen und dann nur von ein paar wenigen auch aktiv unterstützt werden. Oder wie peinlich ist es z.B., wenn eine Deutsche bei einem Contest, bei dem ein Besuch von Donnie im Heimatland gewonnen werden konnte, ins Finale kommt, und die Ärmste dann um Stimmen für den deutschen Beitrag betteln muss?! Was muss denn noch passieren, damit man mal wieder die Germany-is-ready-Flagge hissen kann? Warten, bis die nächste Tour, die selbstredend direkt vor der eigenen Haustür stattfinden soll, mir nichts dir nichts verkündet wird, weil ja doch in Good-old-Germany der Blockhead-Bär steppt, dass sich die Balken biegen? Rise and grind, oder besser erst einmal: Aufwachen, bevor es zu spät ist.
Europa bzw. alles außer den USA ziehen schon immer den Kürzeren, wenn es um Konzerte oder andere Aktionen geht. Das liegt einfach und allein schon in der Natur der Sache, dass es sich um eine amerikanische Band handelt. Damit muss man sich einfach abfinden und jegliche Beschwerden diesbzüglich kann man sich gerne in vierfacher Ausfertigung an die eigene Kühlschranktür kleben. Doch warum schreit ein Großteil der heimischen Blockheads ausschließlich nach UK und London? Ist es ein Trend, der an mir offensichtlich vorbei geht, da ich seine Daseinsberechtigung schlicht und ergreifend nicht begreife? Keine Frage, sollte es ein Konzert in England geben und hier nicht, so werde ich mir ernsthaft Gedanken darüber machen, dorthin zu gehen. Aber muss man im Vorfeld bereits ein Coming Home to Germany kathegorisch ausschließen? Ist es schicker, den Nachbarn lobzuhudeln, da dieser offenbar weltgewandter ist und der bessere Gastgeber für NKOTB wäre? Ich bin bei weitem kein eingefleischter Patriot, aber dieser Logik kann ich nicht folgen. Haben nicht auch wir damals wir heute den Herrschaften mindestens den Engländerinnen entsprechend genug Anbetung, Aufwandsentschädigung und Engagement entgegengebracht?
Aber es scheint ja ach so cool zu sein, sich dem "Don't be so German"-Kult anzuschließen. Twitter läßt grüßen. Ein seltsames Streben nach purer Internationalität ist hier zu beobachten. Hauptsache, man mischt im englischsprachigen Geplänkel mit. Nebst Veröffentlichung unglaublich langweiliger Plattitüden - Retweet sehr erwünscht - entwickelt es sich immer mehr zu einem lächerlichen Anbiedern an die Bandmitglieder oder vermeintlich "wichtiger" Blockheads im Gefüge. War es anfangs noch lustig, ein Reply von z.B. dem fleissigen Mr. Wahlberg zu bekommen, so kann ich einem von 3.752 TWUGs, HUGs, LOVEs oder MUAHs nicht mehr viel abgewinnen. Eine konkrete Antwort auf einen direkten Tweet, fein! Wird gerne genommen, aber da die Wahrscheinlichkeit, bei tausenden von 140-Zeichnern 'gesehen' zu werden, ist unglaublich gering.
Twitter ist im übrigen eine tolle Erfindung. Auch wenn man es nicht so ernst nehmen sollte, wie es viele tun. Aber das Herunterbrechen von Informationsgehalt auf 140 Zeichen verschluckt einfach sehr oft die persönliche Ebene, da so viel Inhalt wie möglich in so wenig zu Verfügung stehendem Kanal gequetscht wird. Erst war es die Community auf .com, dann die nationalen Foren, die ning-Pinnwand, dann der Chat, nun ist es Twitter. Und auch dieses Medium ist vergänglich und ich glaube, dass in spätestens einem halben Jahr dort nicht mehr viel los sein wird. Es ist jetzt schon viel ruhiger als am Anfang, als jeder dorthin stürmte.
(Soeben quälte mich eine Nano-Sekunde der Gedanke, wir bräuchten eventuell die BRAVO wieder?!)
Vielleicht ist es mal wieder Zeit, sich dem gepflegteren, unlimitierten Austausch in den middle-aged Foren zu widmen. Ein Versuch wäre es wert, wenn es auch von allen Beteiligten ein bißchen mehr Heimatverbundenheit, Einsatz und Hingabe erfordert - was man bei jemandem, der sich Fan nennt, eigentlich voraussetzen sollte. Vielleicht wäre dann ein "Made in Germany" auch wieder möglich und standesgemäß. Was auch immer, wann auch immer. Ideen, die deutschen Fans einmal wieder ins rechte Licht zu rücken, gibt es. Aber dafür müßte man schon an einem Strang ziehen.
Frau kann sich aber auch gerne weiterhin oberflächlichem Gezwitscher hingeben. Dann aber bitte kein Gejammer mehr, dass für uns Deutsche eben nur das Kännchen auf der Terrasse, das mit Aufschlag von 100% und mehr zu Buche schlägt, übrig bleibt ...
Beide Daumen hoch für diesen Beitrag! Einfach erfrischend ehrlich wie immer! Besonders das alle jetzt nach UK schreien anstatt "Good old Germany".
AntwortenLöschenWarum ich Twitter liebe: Schnelle Antworten! Meist in Echtzeit. In einem Forum muss man warten, ob vielleicht eine mal antwortet. Auf Twitter kann ich mir auswählen, wer mich sieht, wen ich lesen will. Ich kann alle Zicken total ausblenden. Und bei Foren liebe ich es klein. Je größer die Masse desto mehr Streit. Von den Streitigkeiten in Deutschland hatte ich genug, da waren Leute unterwegs,denen es nicht um NK ging, sondern um Selbstdarstellung. Ich habe sehr viele internationale Kontakte, das macht Spaß und erweitert den Horizont. Bei zwei nicht ausverkauften Konzerten in diesem Lande mache ich mir auch keine Illusionen. Es sei denn, DU machst mal was los. DU bist Deutschland!
AntwortenLöschen