Da wir hinsichtlich der konkreten Bestätigung einer gemeinsamen Tour mit den Backstreet Boys derzeit noch unaufgeklärt durch das NKOTB-Universum wandeln, sollten wir die Zeit nutzen, um uns wegweisende Gedanken darüber zu machen, was wäre wenn denn also gut. Ich persönlich aber habe keinen Zweifel daran, dass eine Joint-Tour kommen wird. Sonst wären die im Raum stehenden Gerüchte längst dementiert. Von allen bzw. nicht im Gesprächsraum stehenden Parteien. Ob wir in Europa oder gar Germany allerdings überhaupt damit verköstigt werden, das steht noch auf einem ganz anderen Blatt. Aber nichtsdestotrotz kann eine Blockhead-Analyse ja nicht schaden.
Wenn man in den Foren (Ach! Das Thema lockt ja tatsächlich wieder Menschen in die Fanboards zum diskutieren) nach einer Tendenz bei den Reaktionen sucht, so ist diese doch eher negativ. Die Mehrheit scheint zum jetzigen Zeitpunkt eher skeptisch ob der Unkenntnis, wie genau ein Konzert zweier vermeintlicher Konkurrenzbands aussehen und von Statten gehen könnte. Und ja, das Wort Konkurrenz ist hier ganz bewusst gewählt. Natürlich weiß ich, dass die Backstreet Boys nicht genau zu der gleichen Zeit ihre ganz großen Erfolge hatten wie NKOTB, aber dennoch ist es genau dieselbe Branche.
Wir reden hier schließlich nicht von normalen Pop- oder Rockbands, nein, es handelt sich um die Spezies Boyband. Wobei der Namensbestandteil „Band“ hier ja schon eher fragwürdig ist. Wie … die machen auch Musik? Ja, im Normalfall besteht das vermeintliche Grundgerüst aus eingängigen, unkritischen, unkomplizierten und nicht zu anspruchsvollen Songs, die per Tonträger oder auf Konzerten unters fast ausnahmslos weibliche Publikum gebracht wird. Sollte es Menschen geben, die sich als Fan einer Boyband ausgeben und dies ausschließlich der prima Musik wegen, der verlasse bitte sofort diesen Raum. Scheinheilig war gestern.
Boybands werden unter bauernschlauen Gesichtspunkten aus meist 5 unterschiedlichen Typen – Hübschheit vorausgesetzt - im richtigen Alter der gewünschten Zielgruppe zusammengestellt und deren Charaktereigenschaften nach Schema F vermarktet. War so, ist so, wird immer so sein, haben wir uns als Fans schon oft sagen lassen müssen . Doch genau auf diese Art und Weise schafft man die meist unglaublich starke Bindung zwischen Gruppe und Fans. Beim Anblick des Favoriten in pure Verzückung versetzt, kann dieser mit genau dieser leidenschaftlichen Affinität spielen. Und wird auf immer ins Fanherzelein geschlossen. Und sollte die Musik einmal weniger Chart-erfolgreich sein – what shells, es ist die einzigartige Chemie zwischen Band (na ja, gut, nennen wir sie eben weiterhin so) und Fans. Wer einmal richtig infiziert ist, wird diese Passion nicht mehr los. Auch wenn man dem Anschein nach erwachsen geworden ist. In guten wie in schlechten Tagen, der Bund für’s Leben wurde geschlossen. I’ll be loving you forever. Und ja, es sind tatsächlich so niedere Beweggründe, die uns zu Boyband-Fans (man übersetze sich nur einmal den Begriff „Blockhead“) machen.
So richtig bewusst wurde mir dies wieder einmal anlässlich eines Blockhead-Meetings im kleinen Kreise vor einigen Tagen. Aus Jux und Dollerei die große Kiste mit all den gesammelten Werken aus den frühen NKOTB-Tagen mitgenommen, um sich einmal mehr darüber zu amüsieren, wie hingebungsvoll frau damals jeden noch so kleinen Zeitungsausschnitt, fein säuberlich in liebevoll gestalteten Alben aufbewahrt, alte Konzertkarten samt jeglicher Tickets der öffentlichen Verkehrsmittel zum Ort des Geschehens, Poster in Hülle und Fülle, Fanshirts etc. etc. etc. gehegt und gepflegt hat. Meine Schulhefte wurden mitnichten so fürsorglich angelegt und aufbereitet. So ziemlich jeder Pfennig des Taschengeldes wurde in diese Sammlung investiert, das Jugendzimmer im wöchentlichen Turnus mit den Postern tapeziert.
Und es will mir nun tatsächlich jemand erzählen, dass er bzw. sie zuerst NKOTB-Fan war und im Anschluss dann – in Anbetracht der in die Versenkung abgedrifteten NKOTB – einfach mir nichts dir nichts BSB-Fan wurde? Dieselben Fangefühle für die anderen 5 schmucken (?) jungen Männer entwickelt und einfach mal eine neue Sammlung von Fanutensilien aufgemacht hat? Boyband-Hopping sozusagen? Boyband-Bigamie oder gar Polygamie?! Ersetze Favourite Joe durch Nick, weil der ist ja auch der Jüngste und süß? I beg you. Dann war man nie ein wirklich wahrer Fan. Und wir wissen ja, dass man nie nur wegen der Musik einer Boyband verfällt. Nein, keine Chance, und mag das noch so töricht klingen. Eine solche Passion ändert sich nicht mal eben so. Sie kann wohl etwas weniger enthusiastisch gelebt werden, sollte das Objekt der Begierde aus der allgegenwärtigen Medienwelt verschwinden. Aber niemals nie kann man dieselbe Leidenschaft für eine derselben Spezies angehörigen Band aufbringen.
Man möge mir meinen für mich wohl ungewöhnlich leidenschaftlichen Ausflug in die pathosgeschwängerte Verteidigung meiner Jugend- und Wiederpassion verzeihen, aber einen Fan, der behauptet, er sei beiden Bands verfallen, der hat jegliche Glaubhaftigkeit bei mir verspielt.
Man muss die anderen Bands ja nicht gleich hassen. Wäre ja ebenso kindisch. Und man darf ja durchaus die Musik der anderen ok finden. Doch es will mir noch nicht klar sein, wie NKOTB und BSB sich ein gemeinsames ganzes Konzert vorstellen. Werden ständig alle auf der Bühne sein? Werden alle die Songs beider Bands performen, so dass die Fans sich gar nicht abwenden können, wie dies schon von einigen Fans des einen oder anderen Lagers in einigen Boards angekündigt wurde? > Hallo? Wie alt sind wir denn bitte?!< Bestreitet die eine Band eine Hälfte, danach entert die andere Band die Bühne? Was tun die Fans, wenn die andere Band auftritt angesichts dessen, dass man weder die Typen, die Songs geschweige denn die Texte kennt und man eigentlich nur wartet, bis die eigenen Heroen wieder im Vordergrund stehen? Ein einziges Rätsel. Wobei ich den Arbeitstitel der potenziellen Tour laut Pressemitteilungen „Ultimate Ladies Night Out“ nicht mit meinen Vorlieben, einen gemeinsamen netten Mädelsabend zu verbringen, in Einklang bringen kann. Ist das einem oder mehreren Männerhirnen entsprungen mit der Idee „man nehme die Fans zweier Boyband und diese potenziere sich dabei zu einer riesigen homogen Fanmasse“?
Das ganz besondere bei der Connection zwischen Boyband und Fans ist doch die ganz spezielle Magie während der Konzerte. Es geht weder um den klassisch-perfekt ausgebildeten Gesang, noch um die Darbietung qualitativ hochwertigen Liedguts. Frau hängt einzig und allein an den Lippen (und Hüften) seines Favoriten, fiebert auf Step 5 hin und freut sich. Die vertrauten Charaktere und Stimmen, mit denen man selbstredend jede gesungene Zeile mitsingen kann – natürlich mit der hundertprozentigen Gewissheit, welcher der ‚Boys‘ welche Silbe singt. Aus heutiger Sicht die Zeitreise in die GEMEINSAME Vergangenheit, hat sich doch am Hüftschwung nicht so sehr viel verändert, außer dass er heutzutage wohl noch mehr schmutzige Gedanken in der gemeinen Fänin hervorruft. Und das trifft mit Sicherheit sowohl für die NKOTB- als auch für die BSB-Fans zu. Jedes Fanlager für sich betrachtet natürlich. Auch die BSB-Fans werden ihren Step 5 haben – nur kennen wir diesen nicht und verpassen den womöglich einzigartigen Moment im Konzertdasein eines BSB-Fans wohl jedes Mal.
Um es aber nochmal ganz klar zu stellen: Ich habe persönlich überhaupt gar nichts gegen die Backstreet Boys oder gar deren Fans. Die wenigen Lieder, die mir per Radio bekannt sind, finde ich weder furchtbar noch lehne ich die Musik anderen Boybands aus Prinzip ab. Es geht mir hier einzig und allein um das wirkliche Fansein EINER Band und dass man aus meiner Sicht nicht Fan von beiden sein kann, weswegen das Unternehmen gemeinsame Tour für einen jeden Fan - welcher Band auch immer - per se zunächst einmal mit Unverständnis aufgenommen wird.
Und ich glaube auch den Versuch in dieser neuartigen Kombinationsaktion darin zu sehen, den sowieso schon spärlichen Tourmarkt für diese beiden Bands auf diese Art und Weise steigern zu wollen bzw. sogar einfach nur noch einmal funktionieren lassen zu wollen. Denn die letzten Touren von beiden Bands waren weder ausverkauft noch eine sichere, wenigstens die Kosten einspielende Aktion. Traurig aber wahr. Der Markt ist einfach nicht mehr derselbe wie vor 15 Jahren.
Wie angekündigt werde ich – sollten beide Bands gemeinsam in Reichweite kommen – mir die Sache auf jeden Fall ansehen. Und ihr eine faire Chance geben. Denn es scheint nun mal auch eventuell die einzige (und letzte?) Möglichkeit zu sein, NKOTB in Concert zu sehen. Und natürlich Step 5. Sollte dann eben auch BSB mit dabei sein, dann ist das wohl so und muss akzeptiert werden. Man wird ja schließlich älter und … weiser (Merde … jetzt wollen mir die Hüften nicht mehr aus dem Kopf!).