Samstag, 1. Juni 2013

Blockhead goes Facebook

Prolog:

Da ich – freiwillig wie immer – leider nicht mitgecruised bin und bis dato noch nicht in den Genuss der Package-Tour gekommen bin, ist dieser Blog zwar nicht gespickt mit den Tages-aktuellste NKOTB-Highlights, aber statt dessen -  oder vielmehr gerade aus diesem Grund - gibt es etwas, worüber wir dringend reden müssen! Warnung: Mein BloG und ich, wir werden heute böse sein. Die Feder ist spitz wie Nachbar‘s Lumpi und die Tinte ist dickflüssig, tiefschwarz mit Nitroglyzerin verfeinert ... Welcome to the *naughty* BloG-Party!
Als NKOTB ihr Comeback ankündigten, fand ich das saugut. Als ich feststellte, dass diese Bewegung auch noch total modern im Internet anstatt in der BRAVO stattfand, fand ich das saustark. Als mir die Dimension bewusst wurde, dass man sich mit nur einem Fingerklick direkt und inmitten einer Community mit NKOTB-Mit-Bekloppten befand, fand ich das saugeil. Schon war man in den Foren, Chats und Twitter unterwegs, um dabei zu sein. Surfen, Schmachten, Lästern und Texten im Netz, immer schön unter dem Deckmäntelchen des Nicknames samt einem bunten Ava-Bild.
 
Ich war davor durchaus schon Miles & More online unterwegs, doch eines habe ich immer gemieden: Facebook. Nicht, weil es ständig in den Verruf bezüglich Datenschutz gerät. Nö. Auch nicht, weil man gerne mal von Massenaufläufen hörte, weil hier jemand eine private Veranstaltung dummerweise als öffentlich gepostet hat. Pff, solange die nicht bei mir vor der Türe stehen. Und auch nicht, weil man ständig von Leuten von der Seite angetextet wird à la „biste auch bei Facebook?“. Nein, es war ein rein, nennen wir es, natürlicher Reflex.
Doch die Zeiten sind schnell. Veränderungen kommen, bleiben kurz und gehen wieder. Das nächste Neue steht schon in den Startlöchern. Und doch, als eine der Letzten auf diesem Planeten war ich der Meinung, man könnte das deutsche NKOTB-Forum am Leben erhalten. Nicht, dass es je toll gewesen wäre. Bewahre, nein! Oder in irgendeiner Art wertschöpfend. Niemals. Oder gar von geeigneten Admins betreut. Kein Kommentar. Eigentlich hat es ganz oft genervt. Aber wie auch immer … irgendwie war es nach dem Dinosaurier aller Blockhead-Kommunikationstreffpunkte auf www.nkotb.com die Heimat der deutschen Fanbase. Zumindest für eine Weile. Keine Ahnung, warum ich immer wieder dahin zurückgekehrt bin. Müßig, nein, sogar ein bisschen peinlich, um ehrlich zu sein. Jedenfalls hat man mir dort in der jüngeren Vergangenheit mehrfach zu verstehen gegeben, dass ALLE User doch jetzt bei Facebook in der deutschen Gruppe unterwegs wären und hier nun der neue Nabel der Blockhead-Welt sei. Es gab tatsächlich User, die sich im Forum neu angemeldet haben, um mir dies mitzuteilen –> Speechlessness Part 1.
 
Na gut, gotme, die Neugier war dann eben doch stärker. Und ein neuer Account auf Facebook geboren. Auf das Schlimmste allen Übels des Ur-Bösen, aus mephistophelischer Quelle gespeist, gefasst, betrat ich, bewaffnet mit Mundschutz, Sturmlaterne und einem Virenabwehr-SWOT-Einsatzkommando eine Welt … von deren Existenz und Eigenheiten ich nie hatte wissen wollen.
F.A.C.E.B.O.O.K.
 
Die erste Zeit, also gefühlte 72 Stunden oder so, habe ich mit meinem neuen Account-Freund erst einmal damit verdaddelt, sämtliche Funktionen von "allen-Ärschen-dieser-Welt-zugänglich-öffentlich" auf "absolutely-private-nur ich" zu setzen. Nein, ich will der Welt nicht mitteilen, wo ich zur Schule gegangen bin, wo ich arbeite und schon gar nicht, wie mein Beziehungs-/Status derzeit ist. Gott sei Dank ist das System vom Grunde her erst einmal doof. Es fragt zwar täglich penetrant nach, ob ich denn nicht endlich mal meine Daten vervollständigen möchte, aber so einfach kriegst Du mich nicht. The real Martini Doro ist nämlich weder zur Schule gegangen, noch arbeitet sie und Beziehungen oder gar StaTusse hat sie schon gar nicht. Martini D. ist nämlich nur ein krampfhaft anonym gehaltenes Cyber-Ich, das wohl existent, doch nicht zu fassen ist. Nur nichts von sich preisgeben, lautet die Devise. To whom it may concern.
Aber woher soll Facebook das auch wissen. Nullen und Einser, was will man da auch erwarten.
 
Wie ... es IST Sinn und Zweck von Facebook, seinen realen Namen, seine echten persönlichen Daten, seine privaten Bilder und sonstige Informationen, die ich nicht einmal meinem Tagebuch anvertraue, aller Welt zugänglich zu machen? Man soll mich wirklich und in Echt finden, wenn man das denn wollte? Nicht, dass ich davon ausgehen würde, interessant oder gar wichtig zu sein. Habe ich da etwa was falsch verstanden...? Mein Gott, was bin ich doch für ein Nerd. Jetzt kommen mir doch langsam Zweifel an meiner Unzugänglichkeit. Sollte ich, eine Lady madeinsemiddleofseseventies vielleicht doch schon zu alt für diese Social-Media-Plattform sein? Autsch!
Doch werfen wir einen Blick auf das operative Every-Day-Business von Facebook. Als ich die berühmt-berüchtigte deutsche Gruppe gefunden hatte, musste zunächst eine weitere Hürde überwunden werden. Die Eigentümer/Ersteller/Betreiber (was weiß denn ich, wie sich das im FB-Slang genau schimpft) der Gruppe mussten einen erst freischalten, um dort lesen und posten zu können und das taten sie nur, wenn man ganz offensichtlich NKOTB-Zugetaner ist. Was grundsätzlich erst einmal eine gute Idee ist, will man sich beim Fansein nicht von Nonbelievern ärgern lassen.

Ich wagte also die untertänigste Anfrage, die heiligen Hallen der deutschen NKOTB-Gruppe betreten zu dürfen und … wurde akzeptiert! Danke, danke, danke (winkewinkefuchtelfuchtel), ich geb' 'ne Runde "Gefällt mir" aus! Gott sei Dank hatte ich mein Standard Martini-schlürfendes-Ava-Bild hochgeladen. Das hat einen entscheidenden Vorteil. Man wird erkannt, weil, man verändert sich nicht. Die Friese sitzt immer, der Taint ist vornehm geblässt. Stay the same a McIntyre would say. Wenngleich stetig besoffen - aber das mit Contenance s'il vous plaît - und schlechtes Vorbild für die Jugend mit dem permanenten Drink in der Hand. Aber what shells. Ich war nun stolzes Mitglied der Gruppe. Coming home, görls!
 
Nun gut, nach einiger Zeit stillen, schüchternen Mitlesens wagte ich, meine Blog-Rezession von „10“ dort zu posten. Es wurde gelesen und wohlwollend kommentiert, was unsägliche Freudentaumel hier auslöste. Und, was noch viel fantastischer war: Die Freundesanfragen strömten nur so herein! Ich war beliebt! Man wollte mit mir befreundet sein! Wenn ich gewusst hätte, wie einfach es ist, Freunde zu finden! Und kaum angefreundet, schreibt mir meine Allerbesteneuefreundin in MEINE Chronik, dass ICH auf der Blockhead-University studiert hätte und bei www.nkotb.com arbeiten würde (intensive Recherche hat ergeben, dass besagte Sister das wohl Standardmässig versucht) . Oh ...  wie süß von ihr! Wie alt ist sie wohl, meine BFF, und ... ob sie überhaupt schon kiffen darf? Fragen über Fragen.
Ansonsten allerdings blieb auf meiner neu installierten FB-Pinnwand keine weitere Frage offen. Gar keine. Man wurde darüber informiert, dass heute irgendwo in Hinterwaldhausen Gulasch gekocht wurde. Und Erdbeerkuchen wurde gebacken (verdammt, jetzt habe ich vergessen, wo das war), das hochgeladene Beweisfoto sah mächtig lecker aus!
  
Am tollsten aber finde ich die drolligen Bilder, wahlweise knuffige Tierbilder, sehr gerne aber auch die mit Kindern und der totale Burner sind die mit den lebensbejahenden Weisheitssprüchen - die geben mir irre viel positive Energie für den drögen Alltag - ich laufe bald Gefahr, hyperaktiv zu werden, wenn die Positivity weiterhin so strömt. Heute früh habe ich schon meinen Namen getanzt, so ekstatisch aufgeladen war ich mit den an mich herangetragenen Gescheitheiten.
Es ist schier unglaublich, was mir - dank meiner neuen FREUNDE - zuteil wird. Immer und immer und immer und immer wieder. Dinge, wie "Mein Kaktus blüht endlich!" oder "In meinem Blumentopf wächst ein Kleeblatt!“ (keine künstlerische Freiheit an dieser Stelle, das stand da wirklich, ich schwör‘s) natürlich mit bezaubernden Mittendrin-statt-nur-dabei-Bildern garniert. Abends lesen wir auch gerne das obligatorische „Ich gehe jetzt ins Bett“ - selbstverständlich herzerfrischend kommentiert von mindestens 27 1/2 Schwester-Facebookerinnen. Alle sind stets so bemüht. Und doch bringt mich soviel Zucker und Käse fast zum ... okay, lassen wir das besser.
 
 
Die eine Frage, die dann allerdings doch noch – zumindest in meinem - Raum steht, ist dann wohl folgende:
Seriously?!
 
DAS ist Facebook? Speechlessness Part 2. Einmal tief Luft holen und versuchen, das hier Wider- und Erfahrene irgendwie auf die Reihe zu bekommen. Ist das nun Leben satt oder Leben light? Oder habe ich gar zuviel des wahren Lebens, dass mir das Leben zuviel Leben abringt, dass ich einfach zu wenig des virtuellen Lebens mehr übrig habe, um der Welt ebenso essenzielle Dinge mitzuteilen? Woah, kann DARAUS bitte mal einer ein dufftes Spruchbild basteln, damit ich das mit all meinen Freunden teilen kann?
Der eine oder andere "Freund" von mir wird sich oder sein/ihr Facebook-Gebahren hier womöglich wiedererkennen – irgendwoher muss ich dieses Zeug ja haben, da ich mich ausschließlich NKOTB-bezogen auf Facebook bewege. Muss aber niemand persönlich nehmen, weil man sich ja sowieso nicht wirklich kennt. Auch nicht, wenn ich mit vielleicht ein paar 32 Leuten von hier auf dem einen oder anderen NKOTB-Gig rumgeschunkelt haben sollte, kennen wir uns trotzdem noch lange nicht. Und wer zu nahe am Wasser gebaut hat, kann ja an dieser Stelle beim Lesen aussteigen. Endstation Weichei. Das tröstende „Knuddel Dich mal“-Kommentar von Sister Njukidsloverin folgt bestimmt … soon oder so.
 
Als Teilzeit-Bloggerin befinde ich mich in einem ernsthaften Gewissenskonflikt. Klappe halten oder schlaue Sprüche klopfen? Nun gut, mit diesem Blog hat sich die Frage wohl erübrigt. Denn im Grunde meines Herzens bin ich ja einfach nur geil nach Aufmerksamkeit, um mein Inner-Adult-ADHS-Syndrom zu befriedigen. Geltungsbedürfnis. Die neue Volkskrankheit in Zeiten von Social Media. Immer da, immer dabei … und ja immer darüber reden. Deswegen existiert dieser Blog. Frau bildet sich ein, sich mitteilen zu müssen. Allerdings über Themen, die über Dinge des zu alltäglichen Lebens, über das uns viele User über Facebook hinlänglich informieren, hinausgehen. Und doch, ich esse und trinke auch und ich besitze sogar Kakteen, die allerdings niemals blühen.
Okay … an dieser Stelle muss ich dann wohl doch nochmal in mich gehen: Themen, die über Alltag usw. hinausgehen ... also bedeutsam sind ... Substanz haben … Grundthema dieses BloGs ist aber doch die versuchte Erklärung, den Blockhead’schen Virus und alle total crazy Aktionen als Fänin einer Boyband in ihren Vierzigern irgendwie zu erklären. Ups. Da habe ich mich jetzt wohl doch etwas verrannt im Eifer des Wortgefechts. Ach, scheiß drauf, weiter geht’s!
  
Geht es denn genau darum bei den sozialen Netzwerken? Über den Austausch von Banalitäten? Muss man wirklich die Welt darüber in Kenntnis setzen, wenn ich abends ins Bett gehe, mich ernähre, Probleme habe, sei es Krankheitsbedingt, Ärger mit Menschen in meinem persönlichen Umfeld oder eben auch über meine floralen Erfolge? Für mich persönlich mutet es befremdlich an, wenn ich manche Dinge lese. Bei manchen ist das wohl aber auch zu einem Tick mutiert, alles zu posten, zu teilen und zu kommentieren. Hauptsache, die Datenautobahn ist vollgepfropft mit den kitschigsten mit Glitzer gesprenkelten Poesie-Album-Sprüchen, die heute noch grausamer anmuten, als früher. Oder mit ernsten Themen, die hier eigentlich gar nichts zu suchen haben.
Random: Das Gerücht, dass Arbeitgeber (potenzielle) Arbeitnehmer in Facebook scannen, ist leider keines, das wird tatsächlich so gehandhabt. Das hat mir ein FREUND irgendeiner Cousine, deren Kollegin oder war’s die Nachbarin gesteckt. Oder jemand, der mir womöglich näher steht. Huch?! Anyway, man sollte sich wirklich ganz genau überlegen, welche Informationen und Daten man von sich ins Netz stellt. Egal, wie harmlos sie erscheinen mögen. Freunde hin, Bekanntschaften her.
 
Im Übrigen arbeite ich auch gerade an einer Lösung für dieses Problem: Lebe Dein Leben mit dem an die Hand getapten Smartphone, um die Welt sofort daran teilhaben zu lassen, sollte etwas passieren, das mitteilungswert wäre. Also … ständig … oder … nie? Wo liegt die Grenze dessen, was die Welt wissen muss und was sie gar nicht wissen will? Mein persönlicher Schwellenwert ist hier offensichtlich ziemlich niedrig, im Gegensatz zu anderen Menschen, die ständig etwas zu erzählen, teilen und zu kommentieren haben.
Vielleicht handelt es sich bei meiner Voreingenommenheit aber auch nur um ein Fall von akuter Social Network-Inkompatibilität. Wenngleich ich noch immer auf der Suche nach dem sozialen Aspekt bei der ganzen Sache bin, weil es für mich einfach nicht zu fassen ist – im doppelten Wortsinn.
 
Das Facebook-Stimmungs-Kollektiv ist allerdings in der Tat verblüffend. Mal ist wie auf einer Tupper-Party, alle sind entzückt von einem Bild, auf dem Jordan bezaubernd lacht wie vom tollen Klima, das die Gürkchen in der Magic-Happy-Vegetable-Perle erleben dürfen. Und dann wieder stürzen alle gemeinsam in eine tiefe Sinnkrise, weil eine CD, die man längst zuhause hat, in ihrer gepimpten Umverpackung aus Amiland noch nicht vom UPS-Mensch geliefert wurde. Äh … hallo?
Moment ... ich frage mich gerade ernsthaft, wie es dem endlich blühenden Kaktus wohl geht.
 
T‘schuldigung, ich muss einen Moment inne halten (…)
Okay, geht wieder. Ein bisschen sozial bin ich dann also doch noch? Give Kaktus a chance - gebt ihm einen eigenen Facebook-Account zur freien Entfaltung!
 
Also, ich bin gerne dabei, wenn es um die Sache geht. Also, die NKOTB-Sache. Man kann da ja auch gerne mal herumalbern und Fotos, Videos oder sonstige NKOTB-Ergüsse anschmachten. Und ich bin immer dankbar, wenn jemand Neuigkeiten der Blockhead-Community zur Verfügung stellt. Und wenn man sich auch im Real Life kennt, kann, darf und soll man auch gerne persönlicher miteinander umgehen. Aber mit oberflächlichem Geplänkel über NICHTS oder TOO MUCH möge man MICH bitte verschonen.
Und ja, ich fühle mich damit tatsächlich schon belästigt, wenn diese Dinge auf MEINER Pinnwand erscheinen. Ich will da keine drolligen Tierbilder sehen, schlaue Sprüche kann ich selbst und es interessiert mich einen Scheiß, was heute in Hintertupfingen gegessen wird und wie das Wetter in Provinzbachhausen beim Blick aus dem Küchenfenster gerade ist! Und schon gar nicht, ob ich Personen wie Hunz oder Kunz VIELLEICHT kenne. Von blöden Bingo-Daddel-Spielen, zu denen ich ständig animiert werde, will ich gar nicht erst reden. Oh, und nun bitte nicht das auf der Hand liegende angesäuerte und soo erwachsene Kommentar: „Du musst es ja nicht lesen, wenn es Dich stört!“. Erstens: Auf diese glorreiche Idee bin ich tatsächlich auch schon gekommen und zweitens: Laaaangweilig.
Mein erster Facebook-Klick führt somit nur noch in die deutsche NKOTB-Gruppe, um eventuelle Blockhead-relevanten News zu bekommen. Alles andere würde Martini’s kleine, heile Welt mit viel zu viel belanglosem Mist verstopfen.
Letztlich lässt sich pour moi festhalten, dass Facebook Verschwendung von wertvoller Lebenszeit ist, die man weit sinnvoller nutzen könnte. Allein die 5 Minuten, die Du gerade damit verplempert hast, diesen Blog zu lesen. Hättest Du Dich lieber mal um Deine Kinder, Tiere, Pflanzen, Ernährung oder reale Mitmenschen gekümmert. Ohne den Rest der Welt zwanghaft daran teilhaben zu lassen. Weil ... who cares?!
Außerdem finde ich das System an und für sich in keinster Weise ordentlich durchdacht. Nur weil ich jemanden online kennen lerne, bin ich noch lange nicht beFREUNDet. Diese Definition ist einfach völlig Banane. Es sollte hier wohl doch noch einmal systemtechnisch nach wirklichen Freunden und "Dazugeklickte, die sich zufällig für das gleiche Thema interessieren" unterschieden werden. Mister Zuckerberg, einmal Nachsitzen bitte! Des Weiteren finde ich Facebook hinsichtlich der Übersichtlichkeit furchtbar. Auch wenn sich hier bestimmt viele schlaue Menschen damit auseinandergesetzt haben, sind die Funktionen Design-technisch sehr schlecht gelöst. Es macht mir in keinster Weise Spaß, dieses System zu nutzen, allein aufgrund der Benutzeroberfläche, die mich nicht anspricht und funktionell auch nicht ausgereift ist. Ergonomisch eine mit nichts aufgeblasene Null-Nummer. Na gut, kostet schließlich nichts, dann muss es ja auch nicht viel taugen, check. FREUNDE werden Facebook und ICH in diesem Leben jedenfalls nicht mehr -> dickes DISLIKE!
 
So, nun bin ich am Ende mit meiner Abrechnung, deren Schöpfung mir ehrlich gesagt tatsächlich etwas Linderung meiner - Facebook sei Dank - angestauten Aggressionen gebracht hat. Ohm. Der gelästerte Seelen-Striptease. Und jetzt - *Trommelwirbelbitte* - bin ich natürlich tierisch geil auf zahllose „Likes“ und Kommentare, weil natürlich nutze ich das System maximalst aus, wenn ich es schon nicht leiden kann. Lasst mich nicht hängen, wir sind doch schließlich Freunde! Wahlweise könnt Ihr mir aber auch die Freundschaft kündigen oder einen Shitstorm auf mich niederprasseln lassen. Das darf nun echt jede/r handhaben, wie sie/er das gerne möchte. Wir sind ja schließlich alle ein bisschen Kaktus, oder?
Nun denn rutsche ich den kleinen aber feinen Hang zur Übermotivation auf meinem Allerwertesten wieder runter, knabbere ein paar Eiweiß-Schnittchen und nippe am Sauerstoff-Wässerchen, bürste mir mein güldenes Haar, vollziehe mein daily Workout, twittere das natürlich zuverlässig, dusche, singe dann meinen Pflanzen ein bisschen „Baby I believe in you“ vor und halte das natürlich alles mit meiner Polaroid-Kamera fest, hefte diese Bilder dann (mit old-school-Reisnägeln) an meine Kork-Pinnwand und lade jeden, der mir gerade über den Weg läuft ein, diese zu begutachten und zu kommentieren. Vielleicht ist Facebook danach ja schon wieder out und wir alle treffen auf einer neuen Plattform wieder. Beam us up, Scotty!
 
Bis es soweit ist, pflege ich einstweilen meine NeuRosen – vielleicht bringe ich ja wenigstens die zum Blühen. Womöglich hilft es, wenn ich sie mit etwas virtuellem Verfolgungswahn einsprühe.
Es bleibt also fluffig. Äh ... Gruppenkuscheln anyone?

Donnerstag, 4. April 2013

„10“ - Was erwartet Fan von einem Album, an das man keine Erwartungen hat?

Die Ankündigung Anfang des Jahres, im April käme ein neues Album, hat mich erst einmal relativ wenig bewegt, weil … das war ja noch ewig hin und überhaupt. Wobei der Vorgeschmack „Remix – I like the“ vielversprechend war (mit dieser Art der Song-Benennung Vorderteil-als-Hinterteil werde ich allerdings nie warm werden). Als dann dieser Tage ‘The Premium Deluxe Box Set‘ (DielaXX! falls sich noch einer an diesen Insider erinnert) zum käuflichen Erwerb angepriesen wurde, hat Fänin dann einfach auf den Button gepresst. Um dann nach diversen Bestätigungsmails zu sehen, dass man sich mit sofortiger Wirkung „10“ downloaden konnte. Gut … Blockhead-Symptom-Outbreak-Alarm. Erst kaufen, dann kucken, was überhaupt drin ist (Stelle zum kollektiven Augenverdrehen hier und jetzt). Nun gut, wenn man schon am Button pressen ist, wurde dieser Download-Knopf auch noch gedrückt.

Obwohl physisch und psychisch erst einige Tage später auf neue Block-Musik eingestellt, kam dann doch die Neugier. Weniger aus Musik-analytischen, sondern in dem Moment rein pragmatischen Gründen (nur keine akustische Verschwendung, alles meins!), habe ich mir „10“ dann via Kopfhörer zugeführt. Was ich wärmstens empfehlen kann, weil man hier einfach die volle Dröhnung - im wahrsten Sinne des Wortes - bekommt und einem Dinge auffallen, die PC/Notebook-Lautsprecher einfach nicht adäquat in der Lage sind, wiederzugeben.

Und es ist jedes Mal wieder aufs Neue speziell. Du hörst Musik, die Du noch nie in Deinem Leben zuvor gehört hast, und trotzdem sind Dir diese Stimmen dermaßen in Fleisch und Blut übergegangen, dass es sich einfach immer „familiar“ anhört und -fühlt. Und das völlig unabhängig davon, ob Dir hier eine geschmeidige Up-tempo-Nummer entgegen schmettert oder eine smoothe Ballade daher kommt. Auch völlig Banane, ob Dir das tatsächlich gefällt, was Du gerade hörst. Und wenn einem dann auch noch Jon Knight direkt und ohne Vorwarnung solistisch ins Ohr singt, dann ist das einfach ein Erlebnis, das einen erst einmal erstaunt innehalten lässt, um dann in ein stolzes Lächeln zu verfallen, das sich hartnäckig hält. Well done Jonathan Rashleigh Knight, it’s been a while since step 5!

Zwei bis drei dieser AhaWowHey-Effekte gab es beim ersten kompletten Durchlauf von „10“ durchaus. Hier sind auf jeden Fall „Crash“ zu erwähnen, das mit Clubbigen Abtanz-Beats derart aufgemotzt wurde, dass Fan hier nicht stillhalten kann – nachdem die Volume erst einmal extrem nach oben korrigiert werden muss, um die Power auch richtig mitzunehmen. Nicht wirklich Block-konform, aber … leider geil. Ich unterstelle diesem Song sogar das Potenzial, das neue „Tonight“ zu werden.

Ein weiteres Highlight für mich ist definitiv „Survive you“. Seit langem mal wieder eine starke Ballade. Fängt harmlos an, wird dann aber tatsächlich maßgeblich von einem Average-Sänger Donnie Wahlberg emotional in unvermutete Höhen gesteigert, begleitet von einem mehr als professionellen Harmoniegesang, den wir eher von BSB kennen (gelernt haben), als dass dies je die Stärke unserer Band war. Ich bin kein ausgesprochener Balladen-Fan, wenn es um NKOTB geht, hier geht es mir meist zu kitschig zu, aber „Survive you“ hat mich tatsächlich und wahrhaftig erwischt. Mein Gott, wie cheesy, aber sorry, zu diesem Song bleibt nur eins zu sagen. Schmachtfetzen at its best, aber trotz allem: Chapeau.

Wirklich gut gefallen haben mir wie schon erwähnt „Remix“, aber auch „We own tonight“. Auch die anderen Songs sind durchaus hörbar, wenn auch einige dabei sind, die ich ohne große Überwindung skippe, weil ich weder etwas verpasse, noch Unverzichtbares geboten bekomme. Aber dass mir ein Album – von wem auch immer – vom ersten bis zum letzten Track gefällt, ist noch nie vorgekommen. Ein Song muss mich in den ersten 20 Sekunden haben, sonst bin ich hier gnadenlos und drücke den drolligen Pfeil nach rechts. Einmal vorbeigenudelt und zurück.

10. Zehn. Also ich für meinen Teil habe mehr NKOTB-Alben im Regal. Vor allem, wenn man die Schallplatten (die großen, dünnen, runden, schwarzen Dinger) noch dazu zählt. Ja, na gut, die habe ich mittlerweile natürlich auch als CD, aber wer zählt hier schon. Weil man ja als eingefleischter Blockhead oft das ganz normale Album erwerben muss, damit das als verkauftes Exemplar in Deutschland zählt (man könnte es ja wider Erwarten doch einmal in die Charts schaffen), man dann aber meist noch dem Marketing-Gebaren von NKOTB erliegt und eine Dielaxx, eine um was auch immer gepimpte CD oder eine um einen oder zweieinhalb Tracks und drei hübsche Bilder erweiterte Variante erwerben muss – und natürlich hartnäckig leugnet, diesem total durchschaubaren Trick erlegen zu sein, sondern selbstverständlich dies in völligem Einklang mit seinen sämtlichen Sinnen getan hat. Ja nee, is’ klar. Aber was will man auch von einer Fangemeinde erwarten, die NKOTB zu dem bis heute gehaltenen Rekord im Verkauf von Merchandise-Artikeln verholfen hat. Eben.

Ich werde „10“ - wenn denn die CdZumInDerHandHalten, die natürlich seit dem frühestmöglichen Termin vorbestellt wurde, hier eintrudelt - gerne zu den nicht wirklich durchgezählten anderen NKOTB-Alben stellen und sie zufrieden ansehen. Ja, Fan kann zufrieden damit sein.

Und genau das ist für mich die erstaunlichste Erkenntnis, die dieses Album bei mir hinterlassen hat. Es ist rund. Es ist in sich eine in sich ausgereifte Sache und kommt selbstbewusst und mit sich und der Band im Reinen daher. Was nicht heißt, dass es ein perfektes Album ist. „10“ wird nicht die Welt verändern. Es wird nicht in die Hall of Fame aufgenommen werden aufgrund wahrhaftig tiefgründiger Texte, ausgeklügelter Soundarrangements oder just because.

Aber im Gegensatz zu „The Block“ wurde hier nicht zwanghaft einem aktuellen Musiktrend hinterhergerannt. Man hat nicht diverse Größen der US-Musikproduzenten-Elite engagiert, um auch ja im Gespräch zu bleiben, um im Wir-Sind-Hip-Karussell mitzufahren. Geholfen hat dies sowieso nichts. „The Block“ war für meinen Geschmack viel zu sehr gewollt, man konnte ihm den Anspruch, dabei sein zu wollen, viel zu sehr anmerken. Und das hat es steril und künstlich werden lassen. Es sollte mit aller Gewalt ein Comeback-Album werden, über das geredet wird. Gemessen am Chart-Erfolg hat dies nicht funktioniert. Und bei mir auch nicht. Hier fehlte für mich einfach die Seele.

Ich wage an dieser Stelle keine Prognose, ob das neue Album Chancen auf den kommerziellen Erfolg jenseits der BH-Gemeinde haben wird. Denn auch „10“ ist made in Boybandland. Und alleine diese Tatsache wird es bei vielen Kritikern schon durchfallen lassen. Ein Stigma, ein Fluch, eine Prophezeiung?

Ich hatte keine Erwartung an dieses Album. Weder in die eine, noch in die andere Richtung. Aber vielleicht ist es gerade deswegen eine gute Sache für mich geworden. NKOTB haben noch nie perfekte Musik abgeliefert und werden das auch nie tun (äh, ja, doch, Blockhead speaking). Das ist auch nicht Sinn der Sache. Sinn oder völlige Sinnlosigkeit im NKTOB-Land ist das In-between, das vermittelt wird. Von der Band zu den Fans und von den Fans zur Band. Man kann es nicht erklären, wenn man nicht mittendrin ist. Und ich erlebe mit diesem Album das Gefühl, dass hier die Band endlich wieder das gemacht hat, worauf sie wirklich Bock hatte und was sie am besten kann. Ob dies nun der Tatsache geschuldet ist, nicht mehr bei einem großen Label zu sein und man auf die großen Namen im Musikbusiness verzichtet hat, sei an dieser Stelle einmal dahin gestellt. Werden wir auch nie erfahren. Weil unsere amerikanischen Boybander hier immer gerne sentimental werden und erzählen, dass alles nur für die Fans gemacht wurde. Aber der Gedanke, dass „10“ mit einem dänischen Produzententeam erbastelt wurde und eben NICHT mit dem Who-is-who der US-Musikmenschen, gefällt mir. Weil das ganz offensichtlich eine viel gesündere Kollaboration war, wenn man sich das Endergebnis vor Augen und Ohren hält. Zumindest, was mein ganz persönliches Soundempfinden angeht. Und das muss man sich hart erarbeiten. Fai.

Egal, aus welchen Beweggründen „10“ so geworden ist, wie wir es nun zu hören bekommen. Es vermittelt mir ein gewisses „Back to the roots“-Gefühl, mit dem ich gut leben kann. Es hat eine gewisse Leichtigkeit und kommt daher unverkrampft und locker rüber. Man hat nicht versucht, sich hier neu zu erfinden. Um Jon aus einem aktuellen Interview zu zitieren, angesprochen auf die Entstehungszeit des Albums: „The flow was easy, a smooth process.“. Und genau das spürt man auch.
So, nach dieser ganzen Lobhudelei dürft Ihr Euch jetzt niederknien, liebste NKOTB, und ich schlage Euch zu Rittern. Zumindest diejenigen von Euch, die es noch nicht sind.